Rezension
JaKönigJa
Die Seilschaft der Verflixten
Highlights: Die Seilschaft der Verflixten // Du giltst an allen Orten // Man könnte es auch anders sehen // Ich schände Deine Seele (jeden Tag) // Die Herrin der Balustrade // Ach, Golgatha
Genre: Pop
Sounds Like: Freiwillige Selbstkontrolle // Kante // Blumfeld // Bazooka Cain // Les Garçons
VÖ: 25.04.2008
Zwei Pole deutscher Musik veröffentlichen im Abstand einer Woche neue Alben. Zunächst wären da die Befindlichkeitsrockpopper von Kettcar, nein, ich hatte noch nicht die Möglichkeit „Sylt“ zu hören. Andererseits – und viel interessanter – präsentieren die Herrscher von JaKönigJa mit „Seilschaft der Verflixten“ einen neuen Beweis ihrer lyrischen und instrumentalen Wunderbarkeit.
Im Kern in der verzauberten Poppigkeit der Sechziger beheimatet, verirren sich doch immer jazzige, elektronische oder punkige Elemente hinein in diese Zauberwelt. Das eine Manko des Albums und dieser Musik manifestiert sich schon im Heranziehen Dirk von Lotzows für den Promotext. „Verkopft“ steht mit großen Buchstaben an der Tür, die uns Zutritt zum Album gewährt. Ignoriert der Hörer dies jedoch bösartig, findet er sich in einem bezaubernden, mitreißenden, faszinierenden musikalischen Kosmos wieder, den zu verlassen Zwang bedarf.
Wo bei den guten Kumpeln von nebenan die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Wirklichkeit vom ewigen Studententum zur Frustration über die Generation Praktikum gewechselt ist, betrachten JaKönigJa – auch als Ja König Ja bekannt – aus einer tief sitzenden Frustration heraus einfach die Realität mit allen – sprich: allen – Komponenten. Dies gießen Ebba Durstewitz und Jakobus Siebels in absurd-poppige Sprachspiele und ebensolche Arrangements. Einerseits lädt dies ein, oder zwingt sogar oberflächlich dazu, Texte und Instrumentierung dechiffrieren zu wollen, großen sprach- und musikwissenschaftlichen Aufwand zu betreiben, doch funktioniert „Seilschaft der Verflixten“ glücklicherweise auch ohne diesen besserwisserischen Ansatz. Auf einer unbewussten Ebene entschlüsseln sich Texte und Musik – und ihre Subtexte – ganz von allein.
„Absurd poppige Arrangements“? Grotesk oder paradox höchstens in der Form, als diese brillanten, vielschichtigen, zwischen zu Tode betrübt und himmelhoch jauchzend von Moment zu Moment schwankenden Songs, so von keiner anderen deutschen Band – außer denen aus dem bandeigenen Umfeld – geschrieben worden wären oder auch nur eine leicht in diese Richtung tendieren würde. Intendierten JaKönigJa lupenreinen Pop zu produzieren, ständen sie in einer Linie mit Michel van Dyke oder seinem neuesten Projekt Ruben Cossani. Doch dass eben dies nicht Ziel, sondern die poppige Bezauberung in nicht geringem Maße Mittel zum Zweck der – zugegeben verklausulierten – Botschaft ist, zeigen die Experimentierfreude, die Ticks und Übertreibungen, die jedem Song Ecken und Kanten, Sprünge und Sollbruchstellen geben.
Wo bei anderen Bands der Versuch, sich einer Kategorisierung des eigenen Stils zu entziehen, als pures und anmaßendes Kokettieren erschiene, belegt es hier doch nur die Ratlosigkeit der schreibenden Zunft, JaKönigJa zwischen Kunst und Pop, zwischen Pomp und Pillepalle, Sixties Pop und Zeitlosigkeit zu verorten. Zeitlos ist allerdings das Prädikat, das „Seilschaft der Verflixten“ mit seiner Vielfalt aus punkiger Süße, wahnwitziger Kreativität, melancholischem Frohsinn und dramatischer Leichtigkeit am besten beschreibt.
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