Rezension

Jack White

Blunderbuss


Highlights: Missing Pieces // Sixteen Saltines // Love Interruption // Take Me With You When You Go
Genre: Rock
Sounds Like: The White Stripes // The Raconteurs // Muddy Waters

VÖ: 20.04.2012

Abschiede und Trennung sind normalerweise für die meisten von uns kein besonders erfreuliches Thema. Dies gilt natürlich auch für Jack White, doch irgendwie geht er solche Tiefschläge mit einer deutlich positiveren Einstellung an als unsereins. The White Stripes gehören nicht länger Meg und Jack; The White Stripes gehören nun euch, hieß es auf der Website der Band. Karen Elson und Jack White trennen sich und laden daher zur Feier ihres sechsten Hochzeitstages und ihrer zukünftigen Scheidung ein.

Dass auch Jack White Tiefschläge nicht so einfach wegstecken kann, wird spätestens durch die Lyrics seines ersten richtigen Soloalbums Blunderbuss mehr als deutlich – wobei Jack White nicht Jack White wäre, wenn er das Album alleine im dunklen Kämmerchen aufgenommen hätte. Tatsächlich wurden ganze 38 Session-Musiker eingeladen, von denen es gerade mal die Hälfte auf die Platte schaffte. Laut Interviews gab White hierbei immer nur grob vor, was der Musiker umsetzen sollte, auf unnötigen Schnickschnack wie Noten wurde gleich ganz verzichtet, um den Jam-Session-Charme des Albums nicht zu gefährden. Anscheinend hat er als Teamplayer mit Dikatoreinschlag alles richtig gemacht, denn "Blunderbuss" ist dadurch ein sehr spannendes Album geworden, unverkrampft wie die frühen White Stripes, verspielt wie die Raconteurs und mit einer guten Portion Bluesrock, den man der Dead-Weather-Zeit oder Whites Nashville-Verbundenheit zusprechen kann. Ein gelungenes Potpourri also, welches sich perfekt in das Klanguniversum des Jack White einfügt und dabei trotz reichlich Anleihen nicht zu einer bloßen Selbstkopie verkommt. Balance ist hier immer wieder Trumpf: Zwischen dem Piano und den Gitarren herrscht schon fast Basisdemokratie, die Spielanteile sind nahezu gleich. Gitarrensoli sind folgerichtig nicht omnipräsent, sondern nur ein dosiert gewähltes Stilmittel. Bluesanleihen und ursprünglicher Folk finden sich immer wieder, wobei auch das Verhältnis von harmonischen Songs und rockigerem Material geschickt ausbalanciert ist. Die Ausnahme zur Abwechslung zwischen Laut und Leise, oder eher die Zusammenführung von beidem ist hier der Abschlusstrack „Take Me With You When You Go“, welcher leicht bluesig mit Jacks Gesang beginnt, von weiblichen Backgroundvocals umspielt wird (Ruby Amanfu, Karen Elson und Laura Matula), mit Streichern und reichlich weiterem Firlefanz Harmonie vortäuscht, um nach einer Intermission genau auf der Hälfte des Songs Stakkato-Gitarren-Soli in den Himmel zu jagen und die Backgroundvocals in den Vordergrund zu zerren. Übertroffen wird das nur von „Love Interruption“, in dem die großartige Ruby Amanfus mit Jack zum Zwei-Stimmen-Gesang anhebt und dem eigentlich ruhigen Song dadurch eine ungeheure Dynamik verleiht, wodurch sich zeigt, dass es nicht immer die harten Gitarren sein müssen.

Ob Jack White tatsächlich besser mit Trennungen und anderen Schicksalsschlägen umgehen kann? Schwer zu sagen, aber wer solche Tiefschläge so geschickt in den Kreativprozess einarbeiten kann, dem darf man eigentlich nicht nur Gutes für die Zukunft wünschen.

Marcel Eike

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