Rezension

Island

Feels Like Air


Highlights: The Day I Die // Moth
Genre: Indiepop // Indierock
Sounds Like: Foals // The 1975

VÖ: 06.04.2018

Island – der passende Name für eine Band von der Insel, würde man meinen. Wenn dann auch noch Referenzen wie Foals oder Bombay Bicycle Club genannt werden, packen Indiefans der 00er-Jahre fast schon automatisch Röhrenjeans und Beanie wieder aus und machen sich auf den Weg ins Amp, Molotow, oder einer der anderen Schuppen, in denen damals getanzt wurde. Wer bei den genannten Bandreferenzen aber an verschwitzt in der Indie-Disco tanzen denkt, wird bei Island enttäuscht. Die Songs auf "Feels Like Air" sind eher was für die ruhigeren und entspannten Momente, zum Im-Takt-Wippen und Träumen. Eher Rotwein als Bier, eher "Bad Habbit" als "Two Steps, Twice".

Mit ihrer letzten EP "A Place You Like" machte sich die Band aus London auch außerhalb der Landesgrenzen einen Namen als Geheimtipp mit Potential. Der Anspruch der Platte, einem Indierock-Sound 2018 gerecht zu werden, wie auch immer der klingen mag, ist rauszuhören. Eine sehr hohe Hürde. Eine zu hohe, wie es scheint. Wenn man es der jungen Band auf ihrer letzten EP noch verzieh, dass die Songs manchmal etwas unfertig und nicht ganz ausgeschöpft klangen, muss man dies auf ihr Debütalbum bezogen als Kritikpunkt vermerken. Die Songs verlaufen sich leider zu oft in einer dahinschwebenden, immer gleichbleibenden Indiepop-Wolke, die sich auflöst, bevor man sie richtig zu greifen kriegt. Was anfangs ganz schön klingt, wird auf Albumlänge etwas zäh und nicht ganz zu Ende gedacht, um dem Anspruch gerecht zu werden. Leider, muss man sagen, denn die gezupften Gitarren hätten das Potenzial auf tanzbare Up- oder Off-Beats gelegt zu werden.

Hier und da schafft es die Band aber ihre Stärken zwischen all den atmosphärischen Soundflächen herauszukristallisieren und offenbart dem Hörer immer mal wieder schöne Momente. Die Referenz zu Foals kommt nicht von ungefähr – jedoch eher die Foals vom "Holy Fire"-Album, mit ihren verhallten Gitarren und dem atmosphärischen Soundteppich, als dem vertrackten, Math-Rock anmutenden Sound von "Antidotes". Im stärksten Song der Platte "The Day I Die" kommt nicht nur das Stimmpotenzial von Sänger Rollo Doherty zur Geltung, sondern die Band schafft es hier, dem anfangs ruhigen Song zum Ende hin die richtige Portion Explosivität mitzugeben. Die Gitarren mit aufgedrehtem Delay- und Hall-Pedal avancieren neben den prägnanten Vocals zum Markenzeichen der Band.

Eine kräftige Brise The 1975 durchweht das komplette Album mit zuckersüßen und sanft-poppigen Indie-Gitarren auf groovigem Beat. Und ein Hauch Kings Of Leon, der Richtung Stadion weht – dem unterwegs aber die Puste ausgeht und sich in der WG mit dem kuschelnden Pärchen verirrt. So gesehen ist "Feels Like Air" auch der passende Titel für das Album – leider zu viel heiße Luft, als die erfrischend kühle Brise auf der Indie-Party.

Abhilash Arackal

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Video zu "The Day I Die"
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