Rezension

Isis

Wavering Radiant


Highlights: 20 Minutes/40 Years // Threshold Of Transformation
Genre: Post-Metal
Sounds Like: Neurosis // Red Sparowes // Tool // A Storm Of Light

VÖ: 08.05.2009

Was haben Isis nicht schon alles erreicht. Gestartet als Band, der man nachsprach, zu sehr der Musik Neurosis‘ zu ähneln, als eigenständig zu wirken. Die es dann jedoch schon mit den ersten EPs wie „The Red Sea“, spätestens mit dem großartigen „Celestial“ schafften, Meilensteine zu setzen. Und zwar nicht nur einen einzigen, sondern auch mit den nachfolgenden Alben immer und immer wieder. Jeder neue Output als Offenbarung: Fortführung des Bekannten, Weiterentwicklung und Neuanfang zugleich. Anfangs noch sehr brachial, unkontrolliert, laut; später kontrollierter, konstruierter Laut/Leise-Gegensatz, wie bei den Überalben „Oceanic“ und „Panopticon“. Zunehmend widmete sich die Band nicht mehr scheinbarer Aggressivität, sondern verfiel in ruhige Töne, lediglich gesanglich standen und stehen nach wie vor Growls einem cleanen Gesang vor.

Welchen Weg gehen Isis nun auf „Wavering Radiant“? Folgt ein neuer, unbekannter Schritt, um den Ruf als eine der innovativsten Bands weiter zu festigen? Die Antwort, kurz und knapp: Leider nein. „Wavering Radiant“ bietet in knapp einer Stunde 6 neue Stücke der Band plus ein kurzes Intermezzo, die allesamt ihre gewohnten Stärken haben und sehr dem Isis-Sound des letzten Werkes „In The Absence Of Truth“ entsprechen. Ungewohnter- und ungewollterweise muss man feststellen: Isis stagnieren, es hat scheinbar keine musikalische Entwicklung in den letzten zweieinhalb Jahren gegeben. Grundlegend ist dieses Problem nicht, die Stücke sind weiterhin auf einem hohen Niveau, jedoch ist die Erwartungshaltung in diese Band immens, da es ihnen bislang immer gelang, selbst dem ausgetretensten Pfad noch eine neue Abzweigung hinzuzufügen.

Klar, „Hall Of The Dead“ bollert gewohnt gut los - ein Stakkato-Basslauf und einsetzende Growls sorgen für einige Bewegung in Kopf und Gliedmaßen. Wäre sicher ein toller Song, würden nur nicht bereits die ersten Minuten von „Wavering Radiant“ klingen, als coverten Isis ihr eigenes Stück – nämlich „Celestial (The Tower)“. Ab Mitte des Stückes sind allerdings durchaus neue, interessante Elemente hinzugefügt worden, düstere elektronische Klänge des Keyboarders Cliff Meyer waren bislang selten so hervorstechend. Gegen Ende leider wieder nur Altbekanntes, man wird das Gefühl nicht los, dass die Band schon im ersten Song versucht, mittels Einsatz bekannter Bausteine etwas zu strecken. Überhaupt: Bausteine. Immer wieder tauchen bekannte Versatzstücke vergangener Werke auf, die zusammengebaut Neues ergeben sollen. Nicht immer, eher selten gelingt dies. Beispiel dafür: „Ghost Key“, ein sehr gut gespieltes Lied, abwechselnd cleaner Gesang, Growls, ruhige Gitarrenparts, brachiale Zwischenspiele, Isis kompakt. Würde man jemandem einen „typischen“, alle Elemente der Band umfassenden Song zur Empfehlung geben, dann wäre es wohl jener.

Abseits von Erwartungen, die bis dato doch deutlich zurückgeschraubt wurden, lässt sich feststellen: „Wavering Radiant“ rockt bisweilen ziemlich heftig daher, beispielsweise bei „Hand Of The Host“ oder dem abschließenden, Hoffnung machenden, weil großartigen „Threshold Of Transformation“, deren Live-Umsetzung sicherlich erlebenswert ist. In einem Interview vor Jahren bekannten sich Bandmitglieder als Fans von The Cure und äußerten den Wunsch, ihre Interpretation des Cure-Sounds in die ihrigen Gefilde zu transportieren. Nun, Jahre später, könnten Isis dieser Aussage nicht näher sein als zu Beginn von „20 Minutes/ 40 Years“. „Verschwommene“, sich durch den Song schlängelnde Gitarrenläufe, hereinbrechende, emotionsgeladene Effekte sowie der meist harmonische Gesang Aaron Turners – einer der wenigen Momente der neuen Platte, der rundum zu überzeugen weiß.

Isis traten just in dem Moment aus dem Schatten von Neurosis, als diese in Gefahr liefen, zur Selbstkopie in einem selbstgeschaffenen Genre zu werden und überzeugten damit nicht nur Kritiker, sondern auch viele Fans, bekannter sind wohl nur aus dieser Ecke nur noch Tool. Genau an diesem Punkt findet sich die Band knapp zehn Jahre nach ihrem ersten Album selbst wieder, hoffen wir, dass Isis sich dessen bewusst werden und Musik schaffen, die nicht nach Steckbaukastensystem zusammengesetzt ist.

Klaus Porst

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