Rezension

Interpol

Marauder


Highlights: The Rover // Complications
Genre: Melancholischer Rock
Sounds Like: Editors // Joy Division // The National // The Twilight Sad

VÖ: 24.08.2018

Eine Frage, der man sich als (etablierte) Band irgendwann stellen muss, ist die, wie es eigentlich weitergehen soll. Auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen, die sichere Schiene fahren und das bedienen, was die gewonnene Anhängerschaft von einem erwartet, oder doch neue Pfade beschreiten? Zwanzig Jahre gibt es Interpol nun schon und auch sie stehen an diesem Punkt. Der Stil, der sie (insbesondere mit den ersten beiden Alben) bekannt gemacht hat, wurde bis dato wenig bis gar nicht geändert und „El Pintor“ zeigte: Der Lack ist ein bisschen ab.

Nun steht „Marauder“ in den Startlöchern, Album Nummer 6 und was machen Interpol? Sie wählen den Weg von AC/DC – oder für die jüngere Generation: Korn. Musikalisch trennen diese Künstler Welten, eines eint sie: Sie sind durch einen Stil bekannt geworden, der etwas Innovatives, etwas Frisches in die Musik brachte, kopierten dann diesen jedoch einmal zu oft. In der Wirtschaftstheorie nennt man so etwas abnehmenden Grenznutzen: Mit der zunehmenden Anzahl gleicher Güter sinkt der Mehrwert jedes neuen, hinzukommenden Gutes gleicher Art.

Anders als beispielsweise die Editors wagen Interpol den Schritt also nicht, sich vom Sound der letzten zwanzig Jahre zu entfernen, was dazu führt, dass Fans, die Interpol mögen, zwar auch die neuen Stücke mögen werden, einen wirklichen „Wow-Effekt“ kann die Band jedoch nicht mehr erzielen. „Marauder“ ist ein passives Album: Man kann es sich von A bis Z, von "If You Really Love Nothing" bis "It Probably Matters" sehr gut anhören. Es sehr gut nebenbei laufen lassen. Was es aber eben nicht ist: Ein aktives Album. Eines, bei dem man bestimmte Momente – seien es Gitarrenriffs oder Gesangszeilen – früher oder später im Kopf behält. Eines, das Ohrwürmer auslöst, wie eben „Turn On The Bright Lights“ das im Jahre 2002 getan hat.

Klaus Porst

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" If You Really Love Nothing"
"The Rover"

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