Rezension

Intergalactic Lovers

Little Heavy Burdens


Highlights: Islands // Great Evader
Genre: Indiepop
Sounds Like: Feist // PJ Harvey

VÖ: 14.02.2014

Wenn man Menschen fragt, woran sie denken, wenn es um Belgien geht, werden sie mit ziemlicher Sicherheit eines der folgenden Dinge nennen: Essen oder die EU. Musikalisch betrachtet gibt es (bis auf einige Ausnahmen à la dEUS oder Triggerfinger) wenig Exporterfolge zu verzeichnen. Da ist es gar nicht verwunderlich, dass eine Band wie die Intergalactic Lovers, die in ihrem Heimatland für ihr erstes Album Gold bekamen und regelmäßig Clubs ausverkaufen, hierzulande beinahe niemandem ein Begriff ist. Mittlerweile haben sie eine weitere CD aufgenommen. „Little Heavy Burdens“ heißt sie und bietet melancholischen Indiepop, der die Fühler mal Richtung Folk und mal Richtung Rock ausstreckt.

Herzstück des Albums ist die Single „Islands“, deren Text, wenn man genau hinhört, daherkommt wie ein billiges Selbsthilfebuch: "We are islands / drifting lost at sea" lautet ein Teil des Refrains. An anderer Stelle heißt es: "You'll never get high / if you're afraid to fall". Das sind altbekannte Binsenweisheiten, die einem beim Hören ganz schön auf die Nerven gehen müssten. Tun sie aber nicht. Der Grund dafür ist zum einen Sängerin Lara Chedraoui, deren Stimme so schön verträumt und schwer daherkommt, dass sie sich wirklich gut dazu eignet, von lahmen Texten abzulenken. Zum anderen liegt das auch an der allgemeinen Instrumentierung und Produktion. Das alles strahlt eine gewisse Abgeklärtheit und Unaufgeregtheit aus. Der Sound ist voll, nichts wirkt billig oder anbiedernd. Das ist toll, lässt die Platte aber zeitweise zu steril wirken.

Die Intergalactic Lovers machen Pop von der guten Sorte. Und leider wird ihnen das in gewisser Weise zum Verhängnis. Denn die Lieder sind zwar alle schön, aber nur die wenigsten bleiben nach dem Hören im Kopf, richtige Hits sind schwer auszumachen. Das ist der Preis der melancholischen Schönheit, die „Little Heavy Burdens“ in jeder Minute ausstrahlt. Es würde auch gar nicht recht dazu passen, wenn ein oder zwei Songs aus diesem Schema ausbrechen würden. Glasklare Pophits mit Ohrwurmhooks gibt es ja eigentlich auch wie Sand am Meer und sind meist nichts Bleibendes. Da ist es eine nette Abwechslung, dass die Intergalactic Lovers bei der Jagd auf den Hit nicht mitspielen. Aber es hätte dem Album vielleicht zu ein wenig mehr Dynamik verholfen.

Lisa Dücker

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