Rezension

Inc.

No World


Highlights: Black Wings // 5 Days // Desert Rose (War Prayer) // Careful
Genre: R&B // Soul // Pop
Sounds Like: Rhye // D'Angelo // Prince // Frank Ocean

VÖ: 15.02.2013

Andrew und Daniel Aged sagen euch nichts? Nein? Dabei hat sie sicherlich jeder schon einmal gehört. Als Session-Musiker für u.a. Beck, 50 Cent, Pharrell Williams, Cee-Lo und Elton John haben die Zwillinge bereits so manchen Welthit musikalisch veredelt. Und eine gewisse Anonymität scheint dem Duo aus L.A. auch weiterhin wichtig zu sein, sonst hätte man sich womöglich für das eigene Projekt nicht den ungooglebaren Bandnamen Inc. ausgesucht. Für den intimen und atmosphärisch unglaublich dichten Sound auf „No World“ passt all das aber natürlich wie die Faust aufs Auge. Schade bleibt es trotzdem, dass wohl vielen eines der besten R&B-Alben seit langer Zeit verborgen bleibt.

Eine Warm-Up-Phase gibt es bei dem Debüt von Inc. nicht. Es braucht nur wenige Sekunden, um einen unwiderstehlichen Groove zu verbreiten, der bis zum Ende des Albums anhält – mal voller Wärme, mal reserviert unterkühlt. In jedem Fall geht aber jeder Song runter wie Öl. Echte Mood-Music eben. Dabei müssen sich die beiden Brüder nicht einmal sonderlich strecken, sondern setzen einfach das Einmaleins des R&B-Baukastens zusammen: ein dominanter Bass, dezente Percussion, sanfte Gitarrennoten und der smoothe, fast geflüsterte Gesang von Andrew. Das machen die meisten anderen nicht anders, mit dem Unterschied, dass Inc. das Rezept in Perfektion beherrschen und sich keinerlei Blöße geben.

Tatsächlich kommt „No World“ nicht selten an die Großtaten der absoluten R&B-Schwergewichte ran. „Black Wings“ klingt wie ein verschollenes Stück von Prince aus dessen Glanzzeit der frühen 80er. Timbaland wäre mit dem Beat in „Lifetime“ sicherlich auch sehr zufrieden gewesen. Und falls immer noch jemand auf das neue Album von D’Angelo wartet, ist derjenige mit Songs wie „Trust (Hell Below)“ und „Desert Rose (War Prayer)“ ebenfalls bestens bedient.

Vor allen Dingen das außergewöhnliche Melodiegespür und das Ausnahme-Songwriting sind es letztendlich, die Andrew und Daniel Aged direkt in die Elite-Liga des Genres katapultieren. Ehemaligen Weggefährten und einer Reihe aufstrebender Pop-Sternchen dürfte dies auch trotz des Understatements von Inc. nicht verborgen bleiben und wahrscheinlich glühen die Telefonleitungen bereits aufgrund zahlreicher Anfragen. Hoffentlich bleibt da noch Zeit für die eigene Musik, denn die ist mindestens genauso gut und das ganz ohne fremde Unterstützung.

Benjamin Köhler

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Live-Performance zu "Black Wings"
Live-Performance zu "The Place"

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