Rezension

Imagine Dragons

Evolve


Highlights: Rise Up // Thunder
Genre: Pop
Sounds Like: Sheppard // OneRepublic // The Script

VÖ: 23.06.2017

Der erste Eindruck zählt: Im schnelllebigen 21. Jahrhundert entscheiden Sekunden über „Skip“ oder „Like“. Wie kaum eine andere Band beherrschen Imagine Dragons die Kunst, in ihren Songs gleich zur Sache zu kommen. Stellenweise wirkt es, als begännen diese mit dem Refrain – Pop in seiner letzten Ausbaustufe? Auf jeden Fall ein zweischneidiges Schwert, denn jeder Hit braucht eine Choreografie, ein Auf und Ab, um dauerhaft im Gedächtnis zu bleiben. „Smoke + Mirrors“ (2015) ließ sich mit seinen soften Dreiminütern bedenkenlos weghören, blieb aber eines nicht – im Gedächtnis.

Nun also „Evolve“, dem Namen nach eine Weiterentwicklung. Und musikalisch? Zunächst einmal fragwürdig. Der Opener „I Don't Know Why“ macht Anleihen an Justin Timberlake und suggeriert, dass Imagine Dragons sich tatsächlich verändert haben. Hin zum Düsteren, zum Elektronischen, vor allem aber zum Negativen. Denn unterm Strich ist der Song schwach und maximal als B-Seite geeignet. Doch bevor das Gefühl überhand nimmt, dass die US-Amerikaner ihr Händchen für einen guten ersten Eindruck verloren haben, setzt „Whatever It Takes“ ein und rückt die Verhältnisse zurecht. Hymnischer Stadionpop, sehr kompakt. „Walking The Wire“ wagt hingegen den Sprung in die 80er-Jahre. Opulent, feuerzeugfest und Live-Aid-geeignet.

„Rise Up“ ist ein weiteres Brett, ein Signature Song, wenn man so will. Ruhiger Beginn, aber bereits nach 45 Sekunden an dem „Point of no return“, dem Höhepunkt, dem Klimax – auf die andere Bands mehrere Minuten hinarbeiten. Trotzdem oder gerade deswegen ist „Rise Up“ der vielleicht stärkste Song des Albums. Denn ansonsten verzetteln sich Imagine Dragons mehrfach. „I'll Make It Up To You“ ist eine weitere (schwache) 80er-Retro-Nummer à la Visage oder Camouflage, „Yesterday“ zitiert zugleich die Beatles und Queen, was unweigerlich komisch klingt. „Mouth Of The River“ ist zu schnell für eine Ballade, aber zu schwach auf der Brust für einen echten Kracher. Hier hätte eine nette Basslinie definitiv gut hergepasst. Immerhin: Witzig und innovativ ist „Thunder“ mit einer Breakbeat-Umrandung, der wie die fröhlich bunte Slowmotion-Version eines Big-Beat-Hits von The Prodigy klingt.

Mischa Karth

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Offizielles Video zu "Thunder"
Offizieller Audiotrack "Walking The Wire"

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