Rezension

Idlewild

Make Another World


Highlights: In Competition for the Worst Time // No Emotion // Make Another World // A Ghost In The Arcade
Genre: Alternative
Sounds Like: R.E.M. // New Model Army // Weakerthans

VÖ: 09.03.2007

Routiniert oder doch eher altbacken? Emopop trifft 90er Indiefolkpunkrock. Nichts Großes ebenso nichts Kleines. Ein gutes Album, aber nichts was lange hängen bleibt.

Brash, oder brasher nennen die britischen Gazetten Idlewilds „Make Another World“ und die Vorabsingle „If It Takes You Home“. Brash: noisy and aggressive. Lauter und Aggressiver als der Vorgänger „Warnings/Promises“. Das ist nicht schwer. Aber so laut und aggressiv kommt „Make Another World“ nicht des Weges. Die Songs treiben, die Gitarren wissen, sie sollen vor allem Lärm machen, doch die Melodie, die regiert.

Gelegentlich dröhnt es, häufiger kommt es sogar kämpferisch daher. Vielfach präsentieren Idlewild kleine Hymnen. Alle Songs sind gut, wecken jedoch vielfältige Assoziationen. Eine ist eben 90er Indie-Rockpop, Delta-Radio-Musik für die Nordlichter. Eine speziellere heißt New Model Army. Vor allem die zweite Hälfte von „Future Works“ bis „Finished It Remains“ steht unter diesem NMA-Eindruck. Er wirkt fast erdrückend.

Idlewild schöpfen auf diesem Album aus ihren Ursprüngen – den Neunzigern – sowie der so genannten Emo-Entwicklung mit Bands wie My Chemical Romance und Panic! at the Disco. Dabei erschaffen sie nichts neues, aber vielleicht sind es letztere Einflüsse, die von den Briten modern genannt werden und die von ihrer Promotions-Abteilung Freud’sch als modernd bezeichnet werden. In jedem Fall folgen aus diesen „neuzeitlichen“ Elementen neue Möglichkeiten für die Band. Der böse „Emo“-Anteil lässt Idlewild sicherlich bei der entsprechend sozialisierten Jugend punkten. Songs wie „Make Another World“ und „Future Works mit ihren einerseits wirklich noisigen und andererseits melodischen Elementen bieten jedoch genug Ohrwurmcharakter und dagegen gesetzte Sperrigkeit, um Freunde jenseits dieser jungen Menge zu finden.

Routiniert, gut und mit Freude präsentiert. Dazu voller Leben. „Make Another World“ ist ein Album, das nicht zu den Highlights des Jahres gehören mag, das aber Erfolg im Verkauf haben könnte. Solange die rockenden Kollegen der Rezensionsbranche ihre Aufgabe gut machen.

Oliver Bothe

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