Rezension

I Am Kloot

Play Moolah Rouge


Highlights: Chaperoned // Ferris Wheels // Hey Little Bird // Down At The Front
Genre: Britpop // Indierock
Sounds Like: The Decemberists // The Weakerthans // Stereophonics

VÖ: 20.06.2008

Traditioneller Brit Pop gilt mittlerweile weitestgehend als tot. Oasis haben ihren Stellenwert verloren, Blur liegen wohl weitere Jahre auf Eis, Pulp sind vollkommen von der Bildfläche verschwunden und Suede haben sich auch schon vor einer ganzen Weile aufgelöst. The Verve starten jetzt zwar gerade einen Comeback-Versuch, aber mal ehrlich, wer erwartet von denen noch etwas? Von vielen lange Zeit unbemerkt haben sich so I Am Kloot in den Vordergrund gespielt. Die melancholische Variante der großen Namensvettern füllt im Königreich längst große Hallen und hat auch auf dem europäischen Festland eine nennenswerte Anhängerschaft aufgebaut.

Ein Hauptgrund hierfür ist sicherlich die pausenlose Livepräsenz, die das Trio aus Manchester schon seit Jahren an den Tag legt. Wer jährlich ein paar hundert Konzerte spielt, muss einfach früher oder später auch dem stoischsten Verweigerer auffallen. Das unablässige Touren förderte aber auch die Selbstkritik innerhalb der Band. Die Alben hätten zu viel Studioatmosphäre, würden nicht den Livezauber entfachen, so das Urteil nach der letzten Mammuttour 2007. Kurzerhand entschloss man sich deshalb, die neuen Songs live einzuspielen und sie ohne große Veränderungen auch so zu belassen. Nach wenigen Tagen in den legendären Moolah-Rouge-Studios war das Endergebnis somit auch schon fertig und ein Albumtitel auch gleich parat.

„Play Moolah Rouge“ ist genau das geworden, was man sich erhofft hatte. Ein erdiges, soundtechnisch auf den Punkt gebrachtes Album, welches die Stärken der Band betont. Bluesrockige Songs, wie der Opener „One Man Brawl“ oder treibende Indierockstücke der Marke „Ferris Wheels“ treten, wann immer es nötig ist, das Gaspedal durch und sorgen so für Abwechslung inmitten dieser melancholischen Kleinode, für die man I Am Kloot einfach lieben muss. „Chaperoned“ ist jetzt schon ein Klassiker mit seinen sanft gezupften Gitarrennoten und diesem unglaublich intensiven Refrain. Was für ein Song! Ähnlich vereinnehmend ist das großartige„Down At The Front“, und selbst der Dialog mit einem Vogel („Hey Little Bird“) wirkt berührend.

Über den wohltonenden Bassklängen von Pete Jobson und dem punktgenauen Spiel von Drummer Andy Hargreaves thront aber wieder einmal dieses Timbre von Sänger John Bramwell, der mit seiner Reibeisen/Honig-Mischung einfach eine Klasse für sich bleibt. Abgerundet wird der warme Klang auf „Play Moolah Rouge“ von den Gebrüdern McLeod, die besonders an Hammond-Orgel und Streichern das Album um viele Facetten erweitern. Letztendlich alles richtig gemacht und noch darüber hinaus den Patient Britpop am Leben erhalten. Was will man mehr?

Benjamin Köhler

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