Rezension

Hurts

Exile


Highlights: Exile // Miracle // The Road
Genre: Elektropop
Sounds Like: Depeche Mode // Covenant // Muse // The Killers

VÖ: 08.03.2013

Dankbarere Aufgaben könnte es für manch Musikrezensenten kaum geben: Depeche Mode und Hurts bringen ungefähr zeitgleich Alben heraus. Ein paar Jahreszahlen ändern, Songtitel austauschen, kleinere Variationen in der Stimme – zwei Texte zum Aufwand von einem. Ähnlich könnte es auch bei der Produktion der Alben vorgegangen sein, denn wer sich mal den Spaß erlauben möchte, Depeche Modes „Delta Machine“ und „Exile“ hintereinander laufen zu lassen und mal einen Moment unachtsam ist, bekommt den Übergang gar nicht mit. Denn auch wenn der Titeltrack des Letzteren zunächst nach Muse klingt, setzen schon wenig später jene Synthies ein, die eine andere Band seit dreißig Jahren mit sich rumschleppt. Ob nun „Cupid“, „Mercy“ oder „Somebody To Die“, für jeden dieser Songs wären ein paar Tantiemen fällig.

Die 2009 gegründeten Hurts aber als reine Depeche-Mode-Kopie abzutun, wäre zu wenig. Denn auch wenn vieles bereits weitläufig bekannt klingt, tragen sie einen Vorteil mit sich – den der Jugend. Die End-Zwanziger sind spürbar vitaler als das große Vorbild und so klingen „Miracle“ oder „Sandman“ durchaus frisch und lebendig. In „The Road“ zeigt die Band sogar, dass sie aktuelle Entwicklungen wie den Maximalsound des neuen Dubstep mitbekommt.

Trotz dessen, dass man Hurts gern als dankbares Opfer für allerlei Plagiats- und "glattgebügelte Popmusik"-Vorwürfe herbeizieht, ist „Exile“ kein schlechtes Album. Die Band und ihr Produzententeam haben ein Händchen für eingängige Melodien mit „Ohrwurmcharakter“. Schon „Wonderful Life“ oder „Stay“ waren im durchschnittlichen deutschen Radioprogramm kleine Wohltaten – „Exile“ setzt dies ohne weiteres fort. Songs wie „Mercy“ oder „Miracle“ sind Popmusik allererster Güte, tun niemandem wirklich weh und manchmal wird man sich auch dabei erwischen, diese leise mitzusummen. Wenn man dann noch schnell den Blick rüber zu "Delta Machine" wagt, bekommt man zwei Wertungen zum Preis von einer: Vorn immernoch das Original, dahinter kann sich "Exile" einen guten Platz erkämpfen.

Klaus Porst

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