Rezension

Howling Bells

The Loudest Engine


Highlights: Live On // The Faith // Don't Run
Genre: Rock 'n Roll
Sounds Like: The Duke Spirit // Sons & Daughters

VÖ: 09.09.2011

Rostige Gitarren, knarzende Verstärker und elegischer Gesang – die "Howling Bells" machen ihrem Namen alle Ehre. Die Melodien der Band weigern sich seit jeher, den geraden Weg zu gehen – das gilt mehr denn je für das neueste Album "The Loudest Engine". Der düstere, verschrobene Rock 'n Roll, der vor allem von den Rhythmen und vom gläserzerbrechenden Gesang von Juanita Stein lebt, wird um jene Gitarren-Sounds ergänzt, die die "Howling Bells" erklingen lassen, wo sonst Bands wie "Queens Of The Stone Age" ihr Quartier aufschlagen: in der Wüste.

Der Opener "Charlatan" empfängt uns genau dort: in einem dieser Roadmovies, bei dem am Ende verdammt viele Fragen offen bleiben werden. Wie an die Protagonisten gewöhnen wir uns dennoch langsam an den kantigen Sound: die minimalistischen Akkorde und Juanitas Stimme, die von einem "beautiful, beautiful charlatan" singt. Die Gitarren zischeln und schlängeln sich auch in "Into The Sky" bedrohlich durch die Indie-Wüste – immer bereit zuzubeißen. Und trotzdem kommt es nicht zum Ernstfall.

Alles wirkt sticky, nur das erlösende Gewitter will nicht aufzuziehen. Gut, da klebt zwar ein wildes Riff wie ein Anhängsel an "The Wilderness", aber trotzdem ist hinterher nichts klarer als vorher. Bevor die Tropfen den Boden erreichen, sind sie schon wieder verdunstet.

Je länger "The Loudest Engine" andauert, desto mehr müssen die Howling Bells diesem Manko Tribut zollen. Dass es an klaren Orientierungspunkten fehlt, ist – gerade bei den ersten Durchläufen – mit Blick auf die Diskographie der Band keine Überraschung. Doch darüber hinaus sind die Gitarren letztlich nicht präsent, nicht bissig genug, um wirklich zu überzeugen. Zudem verliert Juanitas Gesang durch inflationär verwendete Backing-Vocals an Strahlkraft. Zu selten zündet das Zusammenspiel – wie in "Live On". "The Loudest Engine" klingt in der Summe halbherzig, als wäre die Band losgelaufen und hätte nach den ersten Metern Angst vor der eigenen Courage bekommen, sich zu sehr vom poppigeren Vorgänger zu lösen. Im Ergebnis aber wird selbst ein eigentlich guter Track wie das von einer Akustik-Gitarre getragene Duett "Don't Run" zu einer Karikatur vor dem Hintergrund der übrigen Songs.

Mischa Karth

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