Rezension

Hope

Hope


Highlights: Kingdom // Glass // Skin // Drop Your Knives // Raw // Cell
Genre: Cold-Wave // Postpunk // TripHop
Sounds Like: Portishead // Joy Division // The Cure // Bauhaus // Massive Attack

VÖ: 20.10.2017

Dass das England der späten 1970er Jahre sehr grau und abweisend war, ja jegliche Zukunftsperspektive vermissen ließ, davon zeugen noch heute musikalische Monolithen. Erst der Postpunk Joy Divisions, die Düsternis von The Cure, der Sisters Of Mercy oder Bauhaus. Später dann TripHop. Massive Attack, Tricky und vor allem Portishead. Sie alle sind Referenzen eines Berliner Quartetts, welches einmal „Mamsell Zazou“ hieß, federleichten Jazzrock veröffentlichte und sich dann als Hope neu erfand. Diese veröffentlichen nun ihr Debüt unter diesem Namen und das hat es in sich.

Zwar bewegen sich die Vier im Fahrwasser der Genannten („Glass“ bedient sich hörbar bei Portisheads „We Carry On“), verfügen aber trotzdem über eine eigene Note, auch weil sie konsequenter sind. Ihr Sound ist rauer, scharfkantiger, Momente des Lärms werden nicht nur angedeutet, sondern auch ausgespielt. Gitarrist Phillip Staffa holt viel aus seinem Instrument heraus, mal wird es mit einem Geigenbogen bespielt, mal mit einem Drumstick malträtiert. Nur zum eigentlichen Zweck, nämlich dem Saitenzupfen, gebraucht er es nie. Dazu viel Hall, dumpfes Bassgrollen und natürlich ein Keyboardsound, der wabernd vor sich hin bollert. Zentrales Element bei Hope ist zudem der Gesang. Dieser kommt von Christina Börsch-Supran und ist auf viele Arten speziell. Einerseits klingt ihr Englisch hörbar nicht nach Muttersprachlerin, "Deutsch" jedoch auch nicht. Sie hat einen sehr eindringlichen Stil, der an Beth Gibbons erinnert, deren Grundmelancholie sie ebenfalls in sich trägt. Börsch-Supran jedoch klingt viel schroffer, härter, wenn sie inmitten einer Szenerie, in der die anderen Instrumente vor allem dazu da sind, jegliche Geräusche herauszufiltern und ihr einen Raum bieten, den sie mit markerschütternden Ansagen füllt. Dabei kokettiert sie stimmlich mit einer ganz anderen Berliner Zeit: den 1920er Jahren, aus denen schwere Frauenstimmen als Klischee überdauert haben.

„Hope“ erscheint gerade zur rechten Zeit. Es nutzt die einsetzende Dunkelheit des Winters, knipst jedes bisschen Restlicht aus und breitet sich in eiskalter Schwärze aus. Dieses Album nimmt gefangen, macht aber keine Gefangenen. Aus welchen Stellen dabei die Hoffnung sprechen soll, ist rätselhaft, denn diese Band liefert hier einen Untergang ab, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.

Klaus Porst

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"Kingdom"
"Cell"
"Raw"

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