Rezension

Honig

Empty Orchestra


Highlights: For Those Lost At Sea // This Old House // Look What The Tide Brought In // The Morning Chorus
Genre: Singer/Songwriter
Sounds Like: Isbells // Damien Rice // Robin tom Rink

VÖ: 21.09.2012

Wenn es draußen wieder kälter wird, der Wind um die Häuser pfeift und der Dauerregen die Straßen unter Wasser setzt, dann ist es wieder einmal Herbst. Und der ist am schönsten, wenn man ihn vom warmen Wohnzimmerfenster aus betrachten kann, mit einem heißen Tee in der Hand. Den passenden Soundtrack für solche Gelegenheiten liefert Honig mit seinem Album “Empty Orchestra”.

Hier werden elf schöne, ruhige Songs versammelt, die meistens nur mit einer Akustikgitarre und Stephan Honigs Stimme auskommen. Ab und an kommen ein paar Streicher dazu oder ein Glockenspiel, auf “For Those Lost At Sea” ist es sogar ganz stilecht ein Akkordeon. Wenn es denn passt, bekommt Honig auch mal etwas stimmliche Unterstützung in Form von lalalalas und dergleichen. Unterstützt wird Stephan Honig außerdem von einer Reihe internationaler Musiker, darunter Gitarrist Gianni Marzo („Isbells“) und Clueso-Schlagzeuger Tim Neuhaus, den man auch von seinen Soloausflügen kennt.

Dadurch, dass Gitarre und Gesang größtenteils live aufgenommen wurden, gewinnen Lieder wie „This Old House“ und „The Morning Chorus“ an Intensivität und verleihen der gesamten Atmosphäre des Albums etwas sehr Intimes, das tatsächlich sehr gut zu dem Bild eines leeren Orchestergrabens passt. Die geläufigere Verwendung des Albumtitels, das japanische „Karaoke“, kann wiederum kaum auf einen Nenner gebracht werden mit Honig. „Empty Orchestra“ ist vielmehr das Gegenteil dessen: Statt Fremdschämen, Alkohol und schrecklicher One Hit Wonder der 90er Jahre gibt es nur wunderschöne, unaufdringliche Singer/Songwriter-Stücke, deren einziges Manko vielleicht ist, dass sie teilweise nicht eingängig genug sind und nicht immer den hohen textlichen Standards genügen, die man mit dieser Art von Musik verbindet. Das soll auf keinen Fall heißen, dass die Texte schlecht oder langweilig seien - ihnen fehlt lediglich der Poesiealbumsfaktor, aber das muss ja gar nichts Schlimmes sein und wird eher dazu beitragen, die Halbwertszeit des Albums zu verlängern. Und solange Honig Zeilen wie „But I’m still here / ’cause without me / you’d have no one” so singen kann, dass sie eher tröstlich wirken als vorwurfsvoll, sollte man sich eigentlich nicht beschweren wollen.

Lisa Dücker

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