Rezension

Hanni El Khatib

Moonlight


Highlights: Chasin' // Mexico // Servant
Genre: Blues-Rock // Garage-Rock
Sounds Like: The Black Keys // Jack White

VÖ: 23.01.2015

Eigentlich hätte Hanni El Khatib mit seinem Leben, so wie es war, zufrieden sein können: als Kreativchef bei einem angesagten Skateboard-Modelabel arbeiten und in der Freizeit mit dem Skateboard durch San Francisco düsen. Aber das reichte ihm nicht. Seit 2011 mischt Hanni El Khatib mit seiner Mischung aus Garagenrock, R'n'B und Blues auch im Musikgeschäft mit. „Moonlight“ ist bereits das dritte Album des Multiinstrumentalisten und es wird sicher dafür sorgen, dass ihm auch hierzulande endlich die Aufmerksamkeit zuteil wird, die er in Amerika schon länger genießt.

Mehr als einmal erinnert Hanni El Khatibs Stimme an Dan Auerbachs auf den neueren Alben der Black Keys. Vor allem in „Chasin'“ besteht akute Verwechslungsgefahr – inklusive Ausflüge in höhere Stimmlagen, die man auf „Fever“ bestaunen konnte. Dabei hat Auerbach, anders als bei dem Vorgängeralbum „Head In The Dirt“, diesmal seine Finger nicht im Spiel gehabt. Trotzdem ist das ganze Album durchzogen von diesen typischen Black-Keys-Momenten, die gefüllt sind mit Blues, Garagenrock und Lässigkeit. Und genau wie Dan Auerbach und Patrick Carney schafft es Hanni El Khatib, die Lieder massenkompatibel zu machen, ohne auch nur ein Stückchen seiner musikalischen Integrität aufzugeben. Das ist auch der amerikanischen Werbebranche vor einer ganzen Weile bereits aufgefallen. Wenn Hanni El Khatib also schon (noch) nicht die Charts stürmt, so schleicht er sich doch langsam in die Gehörgänge der Zuschauer, wenn seine Lieder bei „Dr. House“, „Californication“ oder in der Superbowl-Werbung von Audi eingesetzt werden.

Ganz ähnlich ist es mit den Liedern seiner neuen Platte: Sie sind selten wirklich explosiv, sondern pirschen sich langsam an, um den Hörer in einem unerwarteten Moment in ihren Bann zu ziehen. Die Trompeten aus „Mexico“ etwa vergisst man so schnell nicht wieder. Auch diese coole, nüchterne, beinahe gelangweilte Art des Sprechgesangs, der in den meisten Liedern die Strophen dominiert, hat etwas an sich, so dass man ihm alles glaubt, was er sagt, sei es nun „I wanna be your servant“ oder „Chasin' / chasin' after you / even if you don't want me to“. Leider greift die Unaufgeregtheit manchmal ein bisschen zu sehr um sich, etwas mehr Action wäre schön gewesen. So schwebt Hanni El Khatib mit seinem dritten Album irgendwo in dem Raum zwischen cool und sexy, den Garagen- und Blues-Rock aufspannen. Das Potential ist jedenfalls da, egal für welche Seite er sich entscheiden wird.

Lisa Dücker

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"Moonlight" bei Soundcloud
"Melt Me" bei Soundcloud

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