Rezension

HÆLOS

Full Circle


Highlights: Oracle // Alone // Pale // Earth Not Above
Genre: Pop // Elektro // Indie // TripHop
Sounds Like: The XX // London Grammar // Portishead // Massive Attack // Lamb

VÖ: 18.03.2016

„Full Circle“ nennen die Briten von HÆLOS ihr gerade erscheinendes Debüt. Darauf platzieren sie nebst erstmalig zu hörendem Material auch Songs wie „Dust“, die erahnen ließen, welchen Stil die Band fährt. Man wandelt auf den Spuren der Band, die zuletzt aus dem Nichts einen Riesenhype auslöste: The XX. Im Grunde lässt sich das Rezept der drei Londoner leicht beschreiben: Man nehme den Sound der früheren Massive Attack und kombiere ihn mit den genannten Überfliegern. Ein wenig Pop dazu und fertig ist die Kopie der Kopie. Ein einfaches Produkt mit einer einfachen Wertung, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht, denn „Full Circle“ ist allen Anleihen zum Trotz ziemlich gut.

Sie selbst beschreiben ihren Stil recht passend als „dark, euphoric dance music“. Dort, wo The XX an der Selbstauflösung ihrer Stücke arbeiteten, setzen HÆLOS noch eine Synthesizerschicht oben drauf, um die Tanzfläche zu erobern - oder zumindest die Lounge daneben. Ständig schwankt das Trio zwischen seichten Balladen wie dem zum Schwärmen einladenden „Dust“ oder „Earth Not Above“, das tatsächlich die Atmospähre von Massive Attacks „100th Window“ aufgreift und wieder mit neuen Ideen füttert. Sängerin Lotti Benardout dominiert dabei den Großteil der Stücke - in einigen Fällen wie dem Titelsong ist jedoch mehrstimmige Abwechslung gegeben, wenn sie von einem ihrer beiden männlichen Mitstreiter begleitet wird. Interessant ist „Oracle“, dessen Lyrics und Pathos an den James-Bond-Film „Skyfall“ erinnern und das einen schönen Titelsong abgegeben hätte.

Neu ist das alles wie beschrieben nicht, aber gut umgesetzt. HÆLOS wildern sich clever im Revier von anderen und brauen daraus ihr eigenes Süppchen. Dabei ist es auch egal, wie oft diese aufgewärmt wird, solange sie schmeckt. Gerade auf Albumlänge gelingt es HÆLOS dabei, die richtige Mischung zu finden. Wo einzelne Songs es nicht schaffen, den Hörer zu greifen, schafft es die Band, durch stetige Wiederholung auf Dauer ein angenehmes Hörklima zu schaffen, das gefangen nimmt. Mit einem besonderen Schmankerl zum Abschluss: Das letzte Dröhnen von „Pale“ liegt noch lange im Ohr - und schreit nach Wiederholung.

Klaus Porst

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"Earth Not Above"

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