Rezension

Gregor Samsa

Rest


Highlights: The Adolescent // Ain Leuh // Rendered Yards // First Mile, Last Mile
Genre: Ambient
Sounds Like: Set Fire To Flames // A Silver Mt. Zion // God Is An Astronaut // Do Make Say Think

VÖ: 25.04.2008

Pause. Nehmen Sie sich 48 Minuten. Gregor Samsa laden Sie ein, einfach mal in Ihrem Leben zu rasten. Auf „Rest“ erweist Ihnen das mehr als zehnköpfige Künstlerkollektiv die Ehre, Ihnen Ihre Version einer zerbrechlichen, flüsternden, sehr leisen Welt vorzustellen. Noch bevor der erste Ton eines Keyboards, das erste entrückte Klavier versucht, einem die musikalische Vision der Band vorzustellen, ist es bereits das Cover des Album, welches einen gefangen nimmt. Zerklüftete Felsen, ein paar winzige Wasserläufe dazwischen, dargestellt als alte grieselige Schwarz-grau Aufnahme. Es wirkt sehr düster, fast apokalyptisch, kein Anzeichen von Leben ist auszumachen – und doch beruhigt dieses Bild. Ein Zwiespalt, der auch musikalisch vorhanden ist.

Klappen wir also die zerfahrene Küste auf und schauen, was sie dahinter verbirgt. In warmen Molltönen erfassen uns bei „The Adolescent“ erste Klavier-, Cello- und Violinentöne, sowie eine Unzahl an nicht identifizierbaren Klangeffekten. Der elfengleiche Gesang Nikki Kings säuselt einem Dinge um die Ohren, deren Wortklang kaum verständlich ist, verführen tun sie trotzdem. Sekunden vergehen zwischen Tastenschlägen, ein Ton jagt hier nicht den anderen – nein, sie warten aufeinander. „Ain Leuh“ verfährt ähnlich weiter, zwischen Klaviertönen, die dieses Mal an eine entspringende Wasserquelle erinnern und einer wunderschönen Streicherlinie ist es hier vor allem der männliche Gesangspart, der den Song trägt.

Weitere Highlights sind „Rendered Yards“ und „Psyeudonyms“, die zwar einfach so weitermachen wie schon bisher, aber nicht zu sehr in Ambientexperimente, deren roter Melodiefaden verloren gegangen ist, abdriften, was leider an anderen Stellen auch schon mal vorkommt. „First Mile, Last Mile“ ist auch besonders, weil anders. Dem einzigen Stück, welchem so etwas wie ein Ausbruch ins Herz gelegt wurde, gebührt viel Aufmerksamkeit, ist es doch ein nötiges Aufwachen, mit welchem uns Gregor Samsa wieder in die Wirklichkeit zurückholen. Eine zersägende Unruhe kündigt uns an, dass die kleine konstruierte Welt dieser Band langsam ihrem Ende entgegengeht.

Allerdings ist keine Welt perfekt, mag sie noch so makellos und detailreich konstruiert worden sein. Vielleicht ist das Album an einigen Stellen zu ruhig geraten, zu wenig um ausdrucksvolle Akzente bemüht. Vieles kann die wunderschöne weibliche Gesangsstimme retten, was fast ins Langweilige zu versinken droht, einige Male allerdings ist sie einfach nicht zur Stelle. Vielmals achtet man auch nur auf eine Klaviermelodie, die so oft wieder auftaucht, bis sie einem über ist, obwohl sich dahinter Dinge verbergen, die erst beim zigsten Hinhören wahrzunehmen sind. „Rest“ ist schön, wie Pausieren schön ist, zum Stehenbleiben und Innegehen. Allerdings sollte man darauf achten, nicht zu lange anzuhalten, denn die Gefahr des Hängenbleibens in der Vergangenheit ist groß.

Klaus Porst

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