Rezension

Granada

Ge Bitte


Highlights: Sauna // Berlin // Mallorca Im Regen
Genre: (Austro-)Pop
Sounds Like: Sportfreunde Stiller // Kaiser Chiefs // Wanda

VÖ: 22.06.2018

Ösi-Invasion! Hatte sich Österreich seit Falcos Tod Ende der 90er eher im Hintergrund der deutschsprachigen Popszene gehalten, sieht dies seit dem einen oder anderen aktuellen Wiener Kultur-Import schon wieder anders aus. Sogar praktische Rezeptionsanleitungen gibt es: Wanda seien die österreichischen Oasis, Bilderbuch die alpenländischen Blur. Nur was sind dann Granada? Die Kaiser Chiefs?

Scheint soweit zu passen: Wie das Pendant aus Leeds setzen auch die Grazer von Granada auf einen Indie-Rock, der sich nicht durch prolliges Machotum oder affektierte Künstlichkeit, sondern eine ungezwungene Leichtigkeit auszeichnet und sich mal zum Entspannen in den Liegestuhl fläzt, mal barfuß auf der Wiese tanzt. Das Ganze nicht ohne eine gehörige Portion Lokalkolorit: Nicht nur singt Thomas Petritsch in charmanter Mundart, auch das urwienerische Akkordeon darf in kaum einem Song fehlen – lediglich die Idee, dem Saunieren eine Ode zu singen („Sauna“), hätte man vielleicht nicht unbedingt von einer österreichischen Band erwartet.

Was den Vergleich mit den Kaiser Chiefs dann aber doch hinken lässt, ist die Tatsache, dass Granada überhaupt nicht vorzuhaben scheinen, einen ähnlichen qualitativen Sturzflug nach dem Debüt einzulegen: Hatte der Erstling der Grazer mit der Bezirkshymne „Ottakring“ und einer charmanten Hommage an den Piña-Colada-Song schon einige veritable Hits zu bieten, kann auch „Ge Bitte“ mit der stampfenden Single „Die Stodt“, dem nicht nur wegen des Titels für den Indieclub prädestinierten „Miad Vom Tanzen“ und dem mit leichter Melancholie durchtränkten „Mallorca Im Regen“ das Niveau halten. Nicht schlecht für ein Projekt, das ursprünglich eigentlich nur den Überschuss aus Petritschs Soundtrack-Arbeiten für „Planet Ottakring“ angemessen würdigen sollte.

Jan Martens

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