Rezension
Gonjasufi
MU.ZZ.LE
Highlights: Nikels And Dimes
Genre: Hip Hop // Trip Hop // Ambient // Lo-Fi // Psychedelic
Sounds Like: Flying Lotus // King Midas Sound // Samiyam
VÖ: 20.01.2012
Schwere Kost aus der Mojave-Wüste. Die Grundhaltung von "MU.ZZ.LE" wirkt auf dem Papier wie die musikalische Faust aufs emotionale Auge – in einer Zeit, in der der Winter wieder Einzug zu erhalten scheint. Doch am Ende dieser 25 Minuten ist der Hörer vor allem eines: etwas verdutzt und allein gelassen.
Das liegt vor allem daran, dass die zehn Stücke Musik mehr Lo-Fi-Snippets als Songs sind, die in knapp zweieinhalb Minuten einen Retro-Soul-Pop-Bezug mit Jazzanleihen abfeuern, dass es sich gewaschen hat. "A Sufi And A Killer" war ebenfalls fragmentarisch aufgebaut, funktionierte aber deshalb besser, weil die ganze Platte ein Cut-Up aus Hip-Hop und Trip-Hop mit Elektro- und Gitarren-Einspritzern war. Die Platte wollte keine Stimmung erzeugen und keine Geschichte erzählen und deswegen war sie so gut. "MU.ZZ.LE" soll das Innenleben des Yogalehrers Zumach Ecks nach außen kehren und alles, was ankommt, ist ein düsterer, verschwommener Entwurf eines Seelenlebens. Nicht klassifizier- und keinesfalls nachvollziehbar.
Doch ist genau das vielleicht gewollt? Geht es bei dieser Platte letztendlich nur um eine diffuse Stimmung, die eine gewisse Angst verbreitet und letztendlich eine Art musikalischen Exorzismus zur Schau stellen will? Ist dieses Verstörtsein am Ende des Mini-Albums nur das Ergebnis einer Art innerer Katharsis? Fragen über Fragen, die jeder für sich selbst beantworten sollte. Fakt bleibt, dass einer der besten Tracks ("Nikels And Dimes") nur deshalb funktioniert, weil er über das Fragmentarische hinaus geht. An vielen Stellen bleibt "MU.ZZ.LE" jedoch zu stückhaft, um Stimmung aufzubauen – oder vielleicht nur dann, wenn das Bewusstsein ausreichend erweitert wurde.
Andreas Peters