Rezension

Fridge

The Sun


Highlights: Lost Time // Eyelids
Genre: Post-Rock-Jazzelectro
Sounds Like: Björk // Sigur Rós // The Cinematic Orchestra // Tortoise // To Rococo Rot

VÖ: 08.06.2007

Kieran Hebden hat es 2007 nicht leicht. Sein Album „Tongues“ mit Steve Reid überfordert den einen oder anderen, und dem fünften Album seiner Band Fridge namens „The Sun“, ergeht es hiermit ähnlich.

Das Album der drei alten Schulfreunde Adem Ilhan, Sam Jeffers und Kieran Hebden (aka Four Tet) präsentiert sich sicherlich zugänglicher als „Tongues“ - jenseits jeder Genre-Zurechnung - aber klar einem rockig, folkig, post rockigen und gleichzeitig auf das Ambiente konzentrierte Bestreben entspringend. Nach dem Rock mit den Mitteln von Jazz, Folk und Post-Rock entwickeln sich hier – anders als auf „Tongues“ – immer wieder songartige Strukturen, die sich jedoch verwinkeln, Haken schlagen oder nach einer meditativen Phase, plötzlich komplett auf- oder aber in sich zusammenbrechen.

Es ist Musik, die weitestgehend an einem vorbei streicht, einfach hörbar, aber doch keine allgemein vertretbare Hintergrundbeschallung – im Sinne der sprichwörtlichen Fahrstuhlmusik. Weiter Klischees bedienend, ließe sich als Verwendung dieser Musik, die Beschallung einer Lokalität vorstellen, in der hochintelligente Menschen – oder solche, die sich dafür halten – über Politik, den Zustand der Welt und Kunst philosophieren, dabei – denn sie spielen nebenbei noch in einer Band – die sich im Hintergrund entfaltenden Soundlandschaften kommentieren oder mit Fingerbewegungen begleiten, als seien sie selbst an der Erschaffung der klanglichen Gemälde beteiligt.

Der das Album eröffnende Titeltrack begrüßt uns jazzig, improvisiert, sperrig, bremst somit den unmittelbaren Hörgenuss nahezu sofort aus. Aus seinen Überresten erhebt sich das albumtypische „Clocks“, das die Plattenfirma als „Radiohead von Slint interpretiert“ beschreibt, das nicht nur das längste Stück des Albums ist, sondern auch - und das bösartig formuliert – übelste, klugscheißerndes Gefrickel auf Gitarre, Schlagzeug, Synthie und Percussion bietet, gleichzeitig aber eine interessante Reise durch Sounds und Bits liefert, eine wunderbare Melodie darunter legt und zum Träumen einlädt. „Drums Of Life“ folgt eine halbe Minute dem Titeltrack in seiner Zerstörtheit bis mit „Eyelids“ der einzige Song folgt, der durchgängig als rockend im Post-Rock-Stil von "Explosions In The Sky" bezeichnet werden könnte. Eine kurze Ausnahme, der bis auf einige Sekunden in „Lost Time“ nichts ähnliches mehr folgt. Stattdessen zeigt sich „Comets“ als elektronischter Chill-Out-Track des Albums und eben „Lost Time“ als bester, geschlossenster und faszinierendster Song auf „The Sun“.

Vielleicht muss man mit dem bisherigen Schaffen von Fridge vertraut sein, um das Album zu verstehen und zu bewerten. Es fasziniert, nimmt gefangen, ist aber gleichzeitig zu verkopft und abgehoben, um es allgemein unter einem populär kulturellen Maßstab zu betrachten/hören.

Oliver Bothe

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