Rezension

Franz Nicolay

To Us The Beautiful


Highlights: To Us, The Beautiful! // Imperfect // Wrestlers
Genre: Folk(-Rock)
Sounds Like: Bruce Springsteen // Austin Lucas // Chuck Ragan // The Hold Steady

VÖ: 16.01.2015

To us, the beautiful! And to whose who disagree – may their eyes fall out! Seine Alben euphorisch beginnen, das konnte Franz Nicolay schon immer, auch wenn er sich hierfür diesmal eines ukrainischen Trinkspruchs bedient. Dass er dort jüngst auf erfolgreicher Tour war, wundert nicht: Nicht nur Nicolays stilvoll gezwirbelter Schnurrbart würde perfekt in die Karikatur eines slawischen Gentleman passen, auch der Tonus von „To Us, The Beautiful!“ erinnert an manche Musik dieser Region: Melancholie trifft Lebensfreude – so widersprüchlich das auch klingen mag.

Aber mit so einer Crooner-Stimme könnte Nicolay wahrscheinlich auch das Telefonbuch seiner Heimat Brooklyn singen und es wie Dostojewsky klingen lassen – verstehe da noch wer, warum der Mann bei all seinen Kollaborationen der Vergangenheit (unter anderem mit The Hold Steady, Against Me! oder The World/Inferno Friendship Society) nicht einmal das Mikro in die Hand gedrückt bekommen hat. Viel mehr als eine einzelne Gitarre, Ukulele oder Akkordeon braucht Franz Nicolay daher oft auch gar nicht für seine Songs – nicht nur bei Live-Auftritten, auch bei simpel instrumentierten Songs wie „Shallow Water“ oder „Bring Me A Mirror“.

Wenn Nicolay allerdings seine Band komplett zusammentrommelt, klingt er so amerikanisch wie Stars & Stripes und Übergewicht. Oder, in anderen Worten, so amerikanisch wie Bruce Springsteen – hier sagt ein einzelnes Gitarrenriff in „According To Plan“ schon fast mehr als tausend Worte. Wenn die Rhythmen dann doch mal mehr Nicolays alter Bands entlehnt sind wie in „Wrestlers“ oder „Imperfect“, steht das dem New Yorker aber doch am besten, denn auch auf „To Us, The Beautiful!“ kommen manche Songs noch nicht so perfekt zum Punkt wie etwa der Opener. Na ja, sagen wir, am zweitbesten – wir wollen ja nicht den Schnurbart vergessen.

Jan Martens

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