Rezension

Florence & The Machine

High As Hope


Highlights: Hunger // Grace // Patricia
Genre: Folkpop // Folkrock
Sounds Like: Lykke Li // Lorde // Björk // The XX // St. Vincent

VÖ: 29.06.2018

Eine ziemliche musikalische Reise hat Florence Welch in ihrer knapp zehn Jahre andauernden Karriere nun schon hinter sich. Vom folklastigen, gar hippiesken Debüt wandte sie sich auf „Ceremonials“ der funkelnden Abendunterhaltung zu, ehe „How Big, How Blue, How Beautiful“ vor expressivem Pathos explodierte. „High As Hope“ ist nun eine Art Schritt zurück zu den Anfängen. Weg vom glitzernden Parkett, weg von der stimmlichen wie musikalischen Übertreibung. Das Abendkleid hat sie eingetauscht gegen ein einfaches Sommerkleid, was perfekt zum Sound des Albums passt. Kein Pathos, keine bebende Schwere, auch kein Greifen nach den Popsternen – „High As Hope“ ist im Singer/Songwriter-Genre angesiedelt; Welchs Stimme steht beziehungsweise schwebt dabei über der Instrumentierung, die hier mehr schmückendes Beiwerk als zentrales Element ist.

Darüber hinaus versprühen die Stücke eine fröhliche Aufbruchsstimmung, wenngleich die Texte auch vom Scheitern, beziehungsweise harten kämpfen künden, etwa in „Hunger“: „I thought that love was in the drugs // But the more I took, the more it took away // And I could never get enough // I thought that love was on the stage // You give yourself to strangers // You don't have to be afraid // And then it tries to find a home with people, oh, and I'm alone // Picking it apart and staring at your phone.“

Wie schon in diesen Zeilen, ist in sehr vielen Texten Autobiografisches lesbar, Welch verarbeitet hier ihr Abdriften in ungesunden Konsum, trotz oder gar wegen des herausragenden Erfolges der Vergangenheit. „High As Hope“ ist, so abgedroschen die Floskel klingen mag, das persönlichste Album der Britin. Nicht nur einzelne Zeilen, sondern ganze Stücke beziehen sich dabei auf ihr Leben und das ihres Umfeldes. „Grace“ ist ihrer Schwester gewidmet, „Patricia“ Patti Smith.

Welch verfällt dabei in eine Erzählstimmung, gibt auf diesem Album nicht die Antreiberin in großen Gesten, sondern eine nette Sängerin von nebenan, deren Stories man gern zuhört. So ist „High As Hope“ auch kaum geeignet, in den Radiostationen rauf und runter gespielt zu werden, lediglich die Vorabsingle „Hunger“ verfügt über so etwas wie einen mitreißenden Refrain. Ansonsten eignet sich das vierte Werk von Florence Welch dazu, die Zuhörenden an einem gemütlichen Abend zu Hause zu unterhalten.

Klaus Porst

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"Hunger"

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