Rezension

Fenster

Bones


Highlights: Fantasy II // The Hunter // Spring Break
Genre: Indie-Pop // Lo-Fi // Folk
Sounds Like: the xx // The Velvet Underground // Peter Broderick // Joy Division // Warpaint // Grizlly Bear

VÖ: 02.03.2012

Hat man diese Melodie nicht schon einmal gehört? Oder hat man nur das Gefühl, sie zu kennen, weil es unmöglich sein kann, dass sie bisher nicht existiert hat und man sich durch sie direkt an seine eigene Vergangenheit erinnert fühlt? Eine solche Melodie findet sich jedenfalls auf „Bones“, dem Debütalbum der Brooklyner Band „Fenster“. „Fantasy II“ heißt der Song mit dem unverschämt eingängigen Gitarrenriff, das man so schnell nicht wieder loswerden wird, das man aber auch gar nicht mehr loswerden will. Es ist wirklich nicht einfach, dieses Album komplett durchzuhören, wenn sich schon an zweiter Stelle ein Song findet, der zum Drücken der Repeat-Taste auffordert.

Fenster ist das musikalische Projekt des Berliners Jonathan Jarzyna und der nun auch in Berlin lebenden New Yorkerin JJ Weihl. Obwohl es ja heutzutage für jede noch so kleine Sparte in der Musik ein eigenes Subgenre zu geben scheint, tut man sich mit der stilistischen Einordnung von „Fenster“ ziemlich schwer, obwohl ihre Musik an sich meist recht einfach gehalten ist. Entspannte LoFi-Pop-Songs wie „Killer Surf Walker“ und „Oh Canyon“ wechseln sich mit Folksongs wie dem vom Banjo getragenen „The Hunter“ ab, bevor schließlich „Gespenster“ mit seinem verhallten Chorgesang den Albumabschluss bildet. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit haben alle Songs von „Bones“ gemeinsam, dass sie eine ähnliche Stimmung verbreiten, die etwas Wohliges und angenehm Ruhiges an sich hat, aber manchmal auch Unsicherheit und Niedergeschlagenheit in sich trägt. Vielleicht ist das auch der Grund, warum dieses Album trotz seiner schlichten und zurückhaltenden Arrangements spannend bleibt. Außerdem sind es natürlich die wunderschönen Melodien, die von „Fenster“ andächtig vorgetragen werden und diese Songs in einem hellen warmen Licht erstrahlen lassen.

Trotz der zahlreichen großen Momente, die „Bones“ für den Hörer bereithält, bringt die konsequent auf das Wesentliche beschränkte Inszenierung des Albums mit sich, dass es in seiner Gesamtheit eher wie eine Ansammlung von Fragmenten und Ideen wirkt, die manchmal ein wenig unfertig klingen. Nichtsdestotrotz weiß das Debütalbum von „Fenster“ zu gefallen, weil es nicht versucht, mit allen Mitteln Aufmerksamkeit zu erheischen. Jonathan Jarzyna und JJ Weihl wissen selbst ganz genau, dass sie gute Songs schreiben, die auch ohne großes Trara auskommen. Vielen wird das Debütalbum von „Fenster“ daher wohl durch die Lappen gehen, was wirklich schade ist. Aber das ist wohl der Preis, den „Fenster“ für die kompromisslose Umsetzung ihrer musikalischen Vision zahlen müssen.

Kilian Braungart

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"Oh Canyon" und "Fantasy II" im Stream:

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