Rezension

Felix Kubin

Takt Der Arbeit


Highlights: Geburt eines Schiffes
Genre: Experimental // Klanginstallation // Minimal Wave
Sounds Like: Kraftwerk // Mary Ocher // Mark Boombastik

VÖ: 17.11.2017

Ein klingelnder Wecker, das Einwählen eines Modems, diverse Telefone und Handys kämpfen um Beachtung, eine Schreibmaschine rattert angepeitscht durch Xylophon und Snare-Drum – Felix Kubin widmet sich auf „Takt Der Arbeit“ all diesen furchtbaren Geräuschen und arrangiert sie auf mehr oder weniger kunstvolle Art und Weise. Dabei entsteht der ultimative Stresssoundtrack, den von Anfang bis Ende durchzustehen wohl nur die größten Masochisten überleben oder aber Glückliche, die obige Geräuschkulisse selber nur vom Erzählen kennen. Soll es ja auch geben.

Oder aber man betrachtet "Takt Der Arbeit" als ein Meisterwerk, sozusagen als klangliche Antwort auf Charlie Chaplins „Modern Times“. Je nach Sichtweise sind Etiketten wie psychologische Kriegsführung bis hin zu künstlerischer Offenbarung durchaus denkbar und gleichermaßen treffend zur Beschreibung von Kubins neuestem Werk. Die Handschrift des Hamburgers ist unverkennbar. Irgendwo zwischen Synthesizer-Nerd der ersten Stunde und Hörspielmacher kreiert der 48-jährige kleine Abhandlungen unserer (Arbeits-)Umwelt.

„Geburt Eines Schiffes“ lässt sich im Vergleich zum gehetzten Opener "Musik Für Neue Büromaschinen" deutlich mehr Zeit und ergründet mit seinem subtilen Pochen neben gluckernden, wabernden Space-Sounds die Magie der Schöpfung. Industrielles Gehämmer, klirrendes Metall und verhallte Lautsprecherdurchsagen bilden diesmal den Rahmen für Kubins Soundcollage. „Martial Arts“ kommt da schon um einiges abstrakter daher. Um was es sich hier eigentlich handelt, ist gar nicht mehr auszumachen, doch letztlich scheint auch an diesem Ort der Takt der Arbeit zu regieren. Zu guter Letzt wird in „Uhren“ das Zeitmessinstrument selber auf- und abschwellend zum Taktgeber. Wie ein Uhrwerk gibt ein verstörendes, aber interessantes Album so zum Ende seinen Geist auf und kommt zum Erliegen.

Jonatan Biskamp

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