Rezension

Fall Out Boy

American Beauty / American Psycho


Highlights: American Beauty / American Psycho // Uma Thurman // Novocaine // Fourth Of July
Genre: Pop(-rock)
Sounds Like: The All-American Rejects // Avril Lavigne // Panic! At The Disco

VÖ: 16.01.2015

Eins muss man Fall Out Boy nun wirklich lassen: Sie sind konsequent. Nach fünfjähriger Pause sollte ihr Comeback-Album (wenn man das so nennen will) nicht weniger als den Rock 'n Roll retten. Dass Features von Elton John und Courtney Love und eine Produktion, als wäre man noch mal gründlich mit 7000er-Körnung-Schleifpapier über die Songs geschmirgelt, da die Erfolgschancen nicht gerade erhöhen, mal beiseite: Ein gesundes Selbstbewusstsein ist auf jeden Fall vorhanden. Und ohne solches wäre „American Beauty / American Psycho“ wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen.

Und das nicht nur, weil hier Songs „Irresistible“, „Favorite Record“ oder „Immortals“ heißen. Nicht einmal, weil das Album mit Fanfaren beginnt, nach denen man eigentlich keine Poppunk-Songs erwartet, sondern Löwen, die im Kolosseum Christen auffressen. Nein: Als Band, die ursprünglich aus dem Punk kommt, „American Beauty / American Psycho“ herauszubringen, erfordert eigentlich all jene Eier, die das Album selbst vermissen lässt. Denn ob es nun die oft allzu poppigen Tanzrhythmen sind, die vorhersehbaren Elektrospielereien oder dass Patrick Stumps sowieso schon zuckrigen Vocals teils künstlich noch länger durch die Zuckerwattemaschine gedreht wurden – Fall Out Boy müssen wissen, dass sie einer Menge von Leuten mit Songs wie der von fröhlichem Gepfeife unterlegten Powerballade „The Kids Aren't Alright“ geradzu den blanken Popo entgegenstrecken. Irgendwo erfordert das Haltung.

Und warum sich Ashlee Simpsons Ex-Mann (sorry, das Label bleibt stecken) und Konsorten das erlauben können? Weil es letztendlich eben ziemlich oft funktioniert. Denn der Beat von „Novocaine“ geht nun einmal in die Beine, der offensichtliche R'n'B-Einschlag steht „Fourth Of July“ nun einmal gut und der alles irgendwie überschattende Discopop von „Uma Thurman“ schließlich – es kennt doch jeder diese Filmszenen, in denen sich depressive Frauen literweise Eiscreme reinschaufeln, aus Ekel vor sich selbst zu heulen anfangen und trotzdem weiter futtern müssen? Dieser Schreiber wäre in dieser Analogie die depressive Frau und Fall Out Boys neues Album die Eiscreme. Bei solchen Szenen schon mal derbe Lust auf Eis bekommen? Na dann: „American Beauty / American Psycho“ – seit 16.1.2015 im Handel.

Jan Martens

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