Rezension

F.S.Blumm

Welcome


Highlights: New Day // Don't Understand // Overweight // Beside
Genre: Free Folk // Songwriter
Sounds Like: Devendra Banhart // Father John Misty // Akron/Family

VÖ: 10.11.2017

Scheinbar gab es in den Neunzigern eine Zeit, in der die Untergrundszene in Berlin nicht primär aus Menschen bestand, die versucht haben, elektronische Musik mit Ableton zu basteln. Es gab eine lebhafte Wohnzimmerkonzertszene, in der verschiedenste Künstler*innen mit analogen Instrumenten und sogar Küchengeräten spannende Dinge probierten. Es ging um Gegenentwürfe zur Rockstar-Szene voller Posen und Egos. Aus dieser Szene entstammt Frank Schültge Blumm, der sich als Künstler F.S.Blumm nennt. Keine „dicken Beats und Bässe“, sondern häufig selbst gebastelte Instrumente waren es, mit denen er beeindruckte. Und immer noch beeindruckt.

Aus der Szene heraus, in der er sich immer dezent zurückhielt, entstand eine gewaltige, vielfältige Diskographie, die von Post-Rock bis Dub Reggae, über Free Folk, Songwritertum und Kollaborationen mit etwa Nils Frahm sowie Veröffentlichungen auf Morr Music („Mondkuchen“) alles beinhaltet. Markenzeichen sind eher ein Faible für ungerade Taktarten und eine Vorliebe für offene Harmonien als eine bestimmte Musikrichtung. Die offenen Harmonien und offenen Räume finden sich auch auf seinem neuen Album.

„Welcome“ heißt es, und es ist spannend, dass ein Künstler mit einer so langen Schaffensphase ein Album wie ein Debütalbum betitelt. Doch ist es passend, denn nach unzähligen – klar – Kollaborationen singt er das erste Mal seine Songs selbst. „Welcome“ ist ein eindringliches Songwriter-Album mit einem Faible für das Unperfekte. Wo andere Künstler*innen glatte Produktionen abliefern, macht F.S.Blumm das Gegenteil. Überall knarzt und rauscht das Album, und dazu raunt seine Stimme den Hörer*innen direkt ins Ohr. Wie gesagt, das erste Mal. Und gleich klingt es vertraut.

Diese Platte ist ein schönes Knistern, die direkt warm bei den Hörer*innen ankommt, voller großartiger großer und kleiner Songs, die gerade nach hinten raus stark werden, wie etwa das berührende „Don’t Understand“, das raunende „Overweight“ das schlicht schöne „Your Egos“. Den Closer „Beside“ hätte in seiner schrägen Lässigkeit Devendra Banhart nicht besser platzieren können. „Welcome“ zu hören ist ganz so, als würden wir als Hörer*innen bei Blumm im Wohnzimmer sitzen. Und da schließt sich der Kreis zu den Anfängen. Eine wunderbare Platte.

Daniel Waldhuber

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