Rezension

Eyehategod

Eyehategod


Highlights: -
Genre: Sludge // Punk // Metal // Noise
Sounds Like: Down // Crowbar // Corrections House // Bison B.C

VÖ: 30.05.2014

Ab und an gibt es Musiker, deren Leben – meist nach dem Ableben – verfilmt werden. Ob Cash, Morrison, Curtis – die Biografien dieser Menschen geben scheinbar genug her, um nicht nur in Tönen, sondern auch in Bildern zu wirken. Wenn es nach dem Material ginge, könnte man aus der Geschichte um Eyehategod mindestens eine Trilogie machen. Die Mitglieder der in den späten 1980ern gegründeten Band haben so viel durchgemacht, dass es nicht ausreicht, „Eyehategod“, das erste Album nach über einem Jahrzehnt, ohne die Geschehnisse in dieser Zeit zu betrachten.

Zwar spielte die Band schon immer einen abgrundtief zerstörerischen Sound, der irgendwo zwischen Punk, Metal und Hardcore anzusiedeln ist und den Sludge mitgründete. Und Mike Williams klang auch schon immer so, als wäre zumindest die persönliche Apokalypse gerade ausgebrochen. Was die in New Orleans beheimateten Musiker jedoch im Laufe der Jahre 2005 und folgende erleben mussten, als ein Hurrikan die Stadt und damit auch sämtlichen Besitz der Band zerstörte, liest sich bereits recht nüchtern auf Wikipedia unfassbar.

Nach Jahren des persönlichen Darbens erscheint also nun das selbstbetitelte Album – und klingt zwar einerseits so, wie man es von Eyehategod gewöhnt ist: brutal, kaputt, brachial; Feedbackorgien am laufenden Band, Songs, die scheinbar ohne Struktur drauflos poltern. Dazwischen jedoch versteckt sich eben jenes New Orleans – etwa wenn „Worthless Rescue“ zwischen aller Gewalt mit Bluesanleihen aufwartet. Dazu schreit, beziehungsweise keift Mike Williams seinen Abgesang auf scheinbar alles in die Welt – ein gutes Stück davon mag auch Verarbeitung des eigenen Erlebens sein. „Eyehategod“ wird somit zu einer wüsten Dreiviertelstunde Lärm, auf die man sich einlassen muss, denn der erste Eindruck kann sehr verstörend sein.

Klaus Porst

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