Rezension

Erykah Badu

New Amerykah (Part II) Return Of Ankh


Highlights: Turn Me Away // Gone Baby, Don't Be Long
Genre: HipHop // Soul
Sounds Like: Kelis // Alicia Keys // Sharon Kones & The Dap Kings// Joss Stone

VÖ: 26.03.2010

Nachdem Erykah Badu vor zwei Jahren mit dem ersten Teil der New-Amerykah-Reihe den vierten Weltkrieg thematisierte, folgt also nun mit der Symbolik des “The Return Of Ankh” die Rückkehr des körperlichen Lebens, der Verbindung von Mann und Frau, Liebe statt Krieg. Das Ankh-Zeichen zum Herzen stilisiert, Songtitel wie „Love“, „You Loving Me“ und „Fall In Love“, dazu ein kitschiges Cover – die Richtung scheint klar. Die großen Gesten sind gewichen, Badu gibt sich versöhnlich, soft, mütterlich, erzählt Geschichten zum immergleichen Thema, von Findung, Überwindung, Scheitern.

Seichte Klänge eines Keyboardpianos eröffnen „20 Feet Tall“. Badu singt davon, 20 Fuß groß sein zu können, um die Wand zu überqueren, die zwischen ihrer Liebe und deren Empfänger stehen. „Window Seat“ verarbeitet Trennungsschmerz so soft, dass man erst beim genauen Hinhören darauf stößt. Badus Stimme, der Inbegriff des Soul, kann gleichzeitig Worte des schmerzhaften Vermissens formulieren und trotzdem einen beruhigenden Unterton mitschwingen lassen. „Agitation“ spielt eineinhalb Minuten lang mit funkigen Soul-Elementen und einem sich aufbauenden „What A Day…“-Chorus. „New Amerykah Part II“ ist eine sehr homogene Platte, die komplette Laufzeit über setzt Badu dem Hörer soften Jazz-Soul mit Siebziger-Referenzen vor, angereichert von triefender Liebeslyrik. So auch in „Turn Me Away“, einem der Highlights des Albums. Ein vorsichtig blubbernder Bass, verhaltenes Schlagzeug, unkomplizierter Rhythmus bilden den Kern des Stückes, in dem Badu sich einmal mehr in das Herz eines Unbekannten singen will.

Was als einzelner Song sehr gut funktioniert und zum Hinhören und Mitwippen anregt, wie „Umm Hmm“ oder das Frühlingshafte „Incense“, wirkt in der Gesamtheit eines Albums bisweilen erschlagend, wie auch das abschließende „Out My Mind, Just In Time“, das mit seinen über zehn Minuten und sehr zähem Gesang zu sehr in die Länge gezogen wird. Um „New Amerykah Part II“ zu mögen, muss man schon eine hohe Affinität zu Soul und der Botschaft Erykah Badus mitbringen, dem gelegentlichen Hörer wird es irgendwann im Laufe des Albums irgendwann einmal zu viel der schmachtenden Lyrik, der seichten Piano- und Keyboardtöne und des zurückgenommenes Tempos. 

Klaus Porst

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