Rezension

Efrim Manuel Menuck

Plays High Gospel


Highlights: -
Genre: Postrock // Drone
Sounds Like: Dead Man O.S.T. // A Silver Mt. Zion // Godspeed You Black Emperor // Gregor Samsa

VÖ: 27.05.2011

Der häufigste Kommentar, den man von Menschen hört, die man fragt, warum sie A Silver Mt. Zion nicht mögen, ist: „Die Musik finde ich wunderbar, aber die Stimme nervt mich“. Und ja, gewöhnungsbedürftig ist es, den Worten zu lauschen, die jener Sänger ein ums andere Mal ins Mikrophon quält. Nun bringt eben dieser ein Soloalbum heraus, „Efrim Manuel Menuck plays High Gospel.“ Das kann doch nur schief – im wahrsten Sinne des Wortes – gehen, oder?

„Our Lady Of Parc Extension And Her Munificient Sorrows“ scheint Erwartungen zu bestätigen. Im gefühlten 4/4tel-Takt schwingt sich Menuck samt Gitarre in stimmliche Höhe. Klingt wie A Silver Mt. Zion ohne das überfüllte andere Dutzend an Instrumenten. „A 12-pt Program For Keep On Keepin‘ On“ ändert jedoch diesen Stil. Ganz weit weg von dem, was Menuck mit seinen beiden bekanntesten Projekten produziert, sind hier gänzlich verzerrte Field Recordings zu hören. Man wähnt die Vertonung eines industriellen Produktionsvorganges. „August Four, Year-Of-Our-Lord Blues“ füllt Stille mit vereinzelten Gitarrentönen, „Heavy Calls & Hospitals Blues“ fährt dasselbe Schema, nur dass ein Klavier anstelle der Gitarre steht. „Heaven’s Engine Is A Dusty Ol’Bellows“ könnte auch Neil Youngs „Dead Man“-Soundtrack entnommen sein. „Kaddish For Chesnutt“ ist ein Abgesang auf den verstorbenen Vic Chesnutt, hier holt sich Menuck für einen Chor Hilfe. Das Resultat ähnelt „Hang On To Each Other“, auch wenn die Botschaft eine andere ist.

Zurückgenommen und reduziert ist „High Gospel“. Jedes bisschen brachiale Ausuferung wird sofort im Keim erstickt. Selbst Menuck agiert nur im Hintergrund, stören kann man sich an seinem Gesang kaum, zu versteckt lauert er nur in Zwischentönen. Oft wabert nur ein einziges Instrument im Raum herum, „High Gospel“ will scheinbar nicht nur irgendein Soloalbum eines Musikers sein, das auch ohne die üblichen Mitwirkenden klingt wie eigentlich immer. Dieses Album sei sehr persönlich, heißt es vorab. Gelungen ist die Trennung auf jeden Fall. Es zeigt sich aber leider auch deutlich, dass Menuck allein nicht die Kraft von Godspeed You Black Emperor und Co. hat. Vieles skizzenhaft, nicht beendet. Man hat den Eindruck, „High Gospel“ beinhalte tolle Ideen, die ein Mitglied einer Band zuhause eingespielt hat – jedoch fehlen die restlichen Stücke des Puzzles, um daraus ein großes Ganzes zu schaffen.

Klaus Porst

Hören


Albumstream

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.