Rezension

Efdemin

Chicago


Highlights: ---
Genre: Deep-House
Sounds Like: Lawrence // Pantha Du Prince

VÖ: 21.05.2010

Chicago, der sogenannte Sehnsuchtsort der House-Anhänger, steht Pate für den Namen der zweiten LongPlayer-Veröffentlichung Philipp Sollmanns a.k.a. Efdemin. "Die Stadt steht für mich stellvertretend für ein Amerika, das es nicht mehr gibt, für eine Vision, die nicht mehr verfolgt wird. Außerdem verbindet sie so viele unterschiedliche Arten von Musik, wie keine andere Stadt. Soul, Post-Rock, Jazz und natürlich House.", sagt Sollmann (De:Bug 143 Juni `10).

Na klar hat "Chicago" nichts mit Post-Rock oder Soul zu tun, auch mit Jazz nur peripher. Dennoch schaut Sollmann mit dieser Veröffentlichung über den Rand des Clubs hinaus, heischt nicht nach Effekten und hat im Endeffekt sogar einen potentiellen Hit außen vor gelassen. Dass keiner der zehn Tracks besonders hervorsticht, liegt auch an der Hitlosigkeit der Platte und ist das besondere Merkmal dieser großartigen Veröffentlichung. Hinzu kommt, dass er rein analoges Equipment verwendet, Instrumente, die er sonst mit dem Laptop generiert aufgenommen hat, werden nun manuell bedient (Cello, Zither, Cowbells). Der Verzicht auf die Hyperdimensionen der digitalen Gerätschaften (32 Spuren etc.) führt zu einem bewussten Minimalismus, den man der Platte anhört und der dem Deep-House Efdemins gut zu Gesicht steht. 12 Spuren, nicht mehr. Der Fokus muss auf dem Wesentlichen liegen. Diese Restriktion erleichtert ganz natürlich den Fluß von "Chicago", das von vorne bis hinten durchgehört werden möchte.

Das Rauschen, der Raumklang, all das ist eine fantastische Erfahrung auf einer Platte, die zugleich retrospektiv, aber eben auch immer nach vorne gerichtet sein soll. Im Übrigen ist 'Chicago' auch der ultimative Beweis dafür, dass es nicht viele intelligentere Möglichkeiten gibt, einen House-Track zu strukturieren – eine Lehrstunde für so viele Digital-Fetischisten.

Andreas Peters

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