Rezension

Dropkick Murphys

Going Out In Style


Highlights: Going Out In Style // The Hardest Mile // Broken Hymns // Climbing A Chair To Bed // Peg O' My Heart
Genre: Folkpunk
Sounds Like: Real McKenzies // Flogging Molly // The Pogues // Roger Miret & The Disasters

VÖ: 25.02.2011

Da hat der Herr Promozettelschreiber, der die Dropkick Murphys als „AC/DC des Celtic Punkrock“ bezeichnet hat, ja mal wie mit der Zielvorrichtung ins Schwarze getroffen: Position als Urgestein im jeweiligen Genre – Check. Das nicht zu unterschätzende Plus, dass sie vielleicht nicht jeder liebt, aber wahrscheinlich auch niemand wirklich hasst – Check. Und zu guter Letzt die Aura absoluter Bodenständigkeit – Doublecheck.

Egal, ob die Hallen, die mit „Let's Go Murphys!“-Gegröhle gefüllt werden, jetzt 500 oder 5000 schreiende Kehlen fassen – die Murphys werden wohl nie ihr Image als eine Bande an Männern verlieren, mit denen man nur deshalb nicht zechen gehen will, weil sie einen sicherlich gnadenlos unter den Tisch picheln würden. Dementsprechend kreisen die Songs auch auf „Going Out In Style“ eigentlich immer um die gleichen Themen: Bastarde, von denen man sich nicht unterkriegen lassen oder die man am besten selber gleich abservieren sollte, das geliebte Weib, dem mit geballter Männerromantik Oden entgegengeschmettert wird und natürlich das Wichtigste im Leben: Freunde, für die auf dem Titeltrack nicht nur eine Party geschmissen wird, sondern die sich auf eben diesem auch selber das Mikro in die Hand reichen (Chris Cheney von The Living End, Fat Mike von NoFX) und, wenn sie wie auf „Peg O' My Heart“ Bruce Springsteen heißen, auch ganze Strophen singen dürfen.

Was aber ebenfalls nicht nur auf AC/DC, sondern auch auf die Murphys zutrifft: Wer, wie die Bostoner, die Weltformel „Punk + Dudelsack + allerlei anderes Folkinstrumentarium = Partymusik erster Kajüte“ derarten perfektioniert hat, kann die musikalische Weiterentwicklung ganz unten auf der To-Do-List verstecken – und so kann im Vergleich zum Vorgänger „The Meanest Of Times“ eigentlich nicht viel mehr gesagt werden, als dass Melodien im Vergleich zum Radau wieder mehr Raum gelassen wird und diesmal „The Irish Rover“ das irische Traditional ist, dem eine ordentliche Rundum-Kur nach Murphys-Art verpasst wird. Mit einer Ausnahme: So werden die Murphys dem Progrock wohl nie näher als auf „Broken Hymns“ mit seinen fünf Minuten Gesamtlänge und seinem flötenbetonten Instrumentalpart (!) kommen – aber auch AC/DC sind schließlich keine King Crimson. Und da „Going Out In Style“ auch auf dem Rest seiner 13 Songs nie langweilt, kann die Analogie hier beibehalten und schließlich gesagt werden: Weit entfernt vom bandeigenen „Back In Black“ ist das hier nicht.

Jan Martens

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