Rezension

Dr. Dog

Be The Void


Highlights: Lonesome // heavy Light // Over Here, Over Here // Vampire
Genre: Folk-Rock // Americana
Sounds Like: Dawes // Deer Tick // Delta Spirit // Middle Brother // The Band // Crosby. Stills, Nash & Young // Fleet Foxes

VÖ: 03.02.2012

Dr. Dog haben einen Status erreicht, bei dem sie eigentlich machen können, was sie wollen – ein schlechtes Album kann diese Folk-Rock-Truppe aus Philadelphia gar nicht mehr vorlegen. Dafür funktioniert Dr. Dog als Band inzwischen einfach viel zu gut. Die Gesangsharmonien von Scott McMicken und Toby Leaman, das Zusammenspiel von Schlagzeug und Bass, das alles ist inzwischen so selbstverständlich bei dieser Band, dass man es sich selbst immer wieder klar machen muss, wie außergewöhnlich souverän das alles passiert. So ist auch ihr mittlerweile siebtes Album „Be The Void“ wieder einmal eine rundum erfreuliche Angelegenheit.

„Be The Void“ ist ein ausgelassenes Album geworden, in dem sich die Band einfach von ihrer Spielfreude antreiben lässt und dadurch mal hier und mal dort landet. Der Opener „Lonesome“ entpuppt sich entgegen aller Erwartungen bei einem solchen Titel als lässig groovender, dreckiger Blues-Rock-Stampfer ganz ohne selbstmitleidiges Gejammer. In „Get Away“ erfreut sich die Band an ihrem fast schon schwülstigen, satten Motown-Gedächtnis-Sound und findet schließlich über einen an die Fleet Foxes erinnernden Chorgesang das Ende. In „Vampire“ machen sich Dr. Dog einen Spaß daraus, an die Grenzen ihres ansonsten sehr gefälligen und wohlklingenden Folk-Rock-Sounds mit einem penetranten Gitarrenriff und geifernden Gesang vorzudringen, während in „Heavy Light“ zum Beispiel mal ordentlich an der Temposchraube gedreht wird.

Es mag nicht alles perfekt durchdacht sein auf „Be The Void“, doch das macht gerade den Reiz dieses Album aus, weil so das Können dieser Band besonders deutlich wird. Ihre Variabilität in Tempo und Dynamik und ihre stilistische Vielseitigkeit lassen Dr. Dog selbst bei manchen in Sachen Songwriting etwas schwächeren Songs mit ihrem knapp 50minütigen siebten Album eine überaus mitreißende und kurzweilige Platte vorlegen, in deren sattem Sound man sich gerne verliert. Dr. Dog hätten es sich auch weitaus leichter machen und jeden Song in einer ausgiebigen Jam-Session auslaufen lassen können, was sicherlich bei dem überragenden Zusammenspiel der Band ebenfalls durchaus unterhaltsam geworden wäre. Allein schon diese fantastischen Basslinien, die Toby Leaman da so nebenbei raushaut, sind Kaufgrund genug für „Be The Void“. In dieser Beziehung zeigen sich Dr. Dog aber erstaunlich selbstbeherrscht und setzen konsequent den Schlusspunkt, wenn alles gesagt ist. Die Schwäche von „Be The Void“ ist zugleich auch seine Stärke. Man kann sie Unüberlegtheit nennen oder auch Spontaneität – die Entscheidung darüber bleibt dem Hörer selbst überlassen.

Kilian Braungart

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