Rezension

Destroyer

Ken


Highlights: Sky's Grey // Tinseltown Swimming In Blood // A Light Travels Down The Catwalk // Stay Lost
Genre: Synth-Pop // Dream-Pop // Smooth-Jazz
Sounds Like: Roxy Music // New Order // The Psychedelic Furs // Siouxsie And The Banshees // The Cure

VÖ: 20.10.2017

Es kommt ein wenig überraschend schnell, das zwölfte Studioalbum Destroyers, irgendwie dann aber auch nicht. Dan Bejar, das Mastermind dieses losen Kollektivs, macht das jetzt seit über 20 Jahren, und im Prinzip sind seine Alben Ideensammlungen. Wenn er neue Ideen hat, gibt es ein neues Album, und hier ist es. „Ken“ heißt es, und der Titel war der Arbeitstitel des Songs „The Wild Ones“ der britischen Band Suede, eine intensive Ballade, die etwas in Bejar ausgelöst hat. Was genau, kann er nicht sagen, aber es inspirierte ihn so sehr, dass er an diesem Gefühl festhalten wollte und seinem sich gerade erst in den Anfängen der Entstehung befindlichen neuen Album diesen Titel gab.

Mit den letzten beiden Alben hat Bejar eine Art Alleinstellungsstatus erlangt, endgültig und verdient: Sein Songwritertum ist mit nichts vergleichbar, die assoziative Art zu texten, ohne klares Narrativ, ebenso die freie Art zu musizieren, Bejar schreibt die Grundlagen und die Texte und die Musiker*innen, denen er blind vertraut, fühlen sich rein und improvisieren. „Kaputt“ war die Dreampop-Variante dieser Art zu schreiben, ein zeitloses Meisterwerk, nach dem sechs Jahre später vieles klingt, aber es doch niemals erreicht, „Poison Season“ war vor zwei Jahren die fast schon operettenartige Variante des Ganzen. „Ken“ ist wieder näher an „Kaputt“, aber noch viel reduzierter. Dies hier ist Synthie-Pop im Stile der Achtziger, und auch davon inspiriert. Klar gibt es jazzige Elemente, aber es ufert selten aus. Das hier ist viel mehr mitunter so tanzbar, wie kein Album zuvor („Tinseltown Swimming In Blood“). Alle Musiker*innen der letzten Alben spielen mit, aber niemals zusammen.

Im Endeffekt ist „Ken“ ein weiteres starkes Album. Es ist die Essenz des Dan-Bejar-Songwritings, eine absolute Ideensammlung. Bejar sagte in einem Interview, all seine Songs seien „wie Filmtrailer“ für ihn, quasi also Anregungen, hinter denen eine größere Geschichte steckt. Auf diesem Album wird das so eindeutig wie nie zuvor, wie etwa „Cover From The Sun“ oder „Stay Lost“ zeigen, fast schon kollagenartige Songs. Musikalisch und textlich öffnen Destroyer große Räume. Weiterhin bewegt sch Bejar fernab von jeglichem klaren zeitlichen Kontext, dieses Album hätte genauso gut 1987 veröffentlicht werden können.

Bejars große Stärke – die der Albumkunst – beherrscht er auch hier brilliant. „Ken“ ist zwar eine Ideensammlung, aber in sich sehr schlüssig und konsequent durchkomponiert. Auch textlich ist Bejar sehr frei assoziativ, und überlässt viele Lücken der Interpretationsfreiheit der Hörenden. Ein klares Narrativ fehlt, vielmehr ist dies eine Ansammlung interessanter Gedanken und starker Worte. Wie immer bei Destroyer ist die Musik einfacher gefühlt und erlebt als interpretiert. In jedem Falle ist es eine starke Sammlung großartiger musikalischer Ideen (etwa „Sky’s Grey“), die sich im gesamten anfühlt wie ein weiteres, großartiges Destroyer-Album. Bejar untermauert seinen Alleinstellungsstatus, und das völlig zurecht. Destroyer ist weiterhin mit nichts vergleichbar und Bejar rührt in seiner ganz eigenen, sehr ergiebigen Suppe.

Daniel Waldhuber

Hören


"Sky's Grey" anhören
"Cover From The Sun" anhören
Video zu "Tinseltown Swimming In Blood" anschauen

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