Rezension

Deeper

Auto-Pain


Highlights: Esoteric // This Heat // Willing // 4U // The Knife
Genre: Indie-Rock // Post-Punk
Sounds Like: Joy Division // The Cure // Parquet Courts // Omni // Interpol // Crack Cloud

VÖ: 27.03.2020

Es ist eine schwer auszuhaltende Spannung, die sich durch das zweite Album der Chicagoer Band Deeper zieht: Zwischen Schmerz und Befreiung, zwischen Harmonie und Dissonanz, zwischen maschineller Kontrolle und enthemmtem Ausbruch muss hier mit allem gerechnet werden. Schon der perfekte Opener „Esoteric“ mit sanftem Intro und den daraufhin durch den Song peitschenden Gitarrenriffs macht süchtig und verlangt nach mehr.

Und so geht die Reise auf „Auto-Pain“ durch elf exakt platzierte Tracks, die immer für Überraschungen gut sind und sich nie in ihrem eigenen Sound verlieren. Sich umspielende, manchmal schon tänzelnd elegante Gitarren, die im nächsten Moment gewaltsam ausbrechen. Ein Schlagzeug, das sich nur schwer zurückhalten kann und allenfalls von einem ausgeglichenen Bass gebremst werden kann. Dazu gezielte Synthie-Einsätze und der mal gequält klagende, mal verzweifelt herausbrechende Gesang von Sänger Nic Gohl. Deeper beschäftigen sich in ihren Texten mit depressiven Gedanken bis hin zu selbstzerstörerischen Fantasien, was vor dem Hintergrund, dass sich der frühere Gitarrist der Band, Mike Clawson, das Leben nahm, als die Arbeiten an diesem Album gerade fertig waren, „Auto-Pain“ in ein besonders trauriges Licht rückt – als ob sich die Texte tatsächlich auf seinen Suizid beziehen würden.

Es mag bei all diesen Beschreibungen von „Auto-Pain“ vielleicht irritieren und manch eine Person mag sich fragen, warum sie sich das antun sollte, aber es macht tatsächlich Spaß, dieses Album zu hören – und das hat vielleicht zwei Gründe: Zum einen sind Deeper in allem, was sie tun, authentisch. Diese Musik ist kein steriles Kunstprodukt, sondern in jedem Moment greifbar und fühlbar, roh und aufrichtig, was sie unglaublich anziehend macht. Zum anderen ist „Auto-Pain“ musikalisch einfach so ideenreich und vielfältig, dass es seine Spannung nie verliert. Also wagt euch an dieses Album und nehmt am besten noch Deepers Gebrauchsanweisung aus dem genialen „4U“ mit auf den Weg: „Just trust true feelings and fall through the floor“.

Kilian Braungart

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