Rezension

Death Letters

Post-Historic


Highlights: Death Of The Sincere // I Wish I Could Steal A Sunset // Fear Face
Genre: Rock
Sounds Like: The Von Bondies // The Blood Brothers // ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead

VÖ: 04.05.2012

Normalerweise ist die Reihenfolge ja anders: Erst die Pubertät durchziehen, dann mit der Band durchstarten. Die holländischen Death Letters gewannen hingegen schon im Alter von 15 Jahren ihren ersten Gig auf dem Pinkpop Festival und ließen dort bereits erkennen, wie wild, energiegeladen und eben ganz allgemein jugendlich ungestüm ihre Liveshows bis heute sind. Bestes Beispiel vom Orange Blossom Special: Die Band bricht ihre Ballade nach der Hälfte der Spielzeit einfach ab, weil sie „keinen Bock mehr auf diese Pussyscheiße habe“.

Doch wer so früh beginnt, bei dem stellt sich auch früher die Altersweisheit ein, oder in diesem Falle: eine deutliche Steigerung hinsichtlich der Versiertheit des Songwritings. Wurde auf dem selbstbetitelten Debüt noch vorrangig fröhlich durch die Garage gerumpelt, spielen die zwei Niederländer nun immer mehr mit Stimmungen und Tempi. „Death Of The Sincere“ etwa hat nach zwei Minuten eigentlich schon alles eingerissen, bedient sich dann jedoch noch einmal an heutzutage immer beliebter werdenden Postrockstrukturen, um gen Ende...naja, nochmal alles einzureißen. „I Wish I Could Steal A Sunset“ funktioniert ähnlich, nur mit weniger Aufbau und mehr Zerstörung; „A Room A Story A Beautiful Memory“ wiederum wäre genau eines der Stücke, dass die Band auf früheren Konzerten noch potentiell mittendrin abgebrochen hätte. Bei „Fear Face“ schließlich muss man sich wundern, ob hier nicht heimlich die – Gott habe sie selig – Blood Brothers die Death Letters im Aufnahmestudio abgelöst hätten.

Aus einer guten, aber relativ simpel gestrickten Rockband ist hier also bereits auf dem zweiten Album eine Band geworden, die neben einer Menge roher Energie auch immer versierter wird, was das Songwriting angeht. Das alles ist angesichts der Tatsache, dass die beiden Holländer kaum 20 Jahre alt sind, nur umso beeindruckender. Falls Holland so etwas wie eine Rock-Hall-Of-Fame hat – spätestens zum Vierteljahrhundert sind die Death Letters bei dieser Entwicklung auf jeden Fall drin.

Jan Martens

Sehen


Video zu "Your Heart Upside Down":

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.