Rezension

Dear John Letter

Between Leaves / Forestal


Highlights: Aventiure / Pearly Gates // Clearing / Leaving // Annual Ring / Enclosure
Genre: Progressive-Post-Rock
Sounds Like: Ostinato // Aereogramme // Cult Of Luna // Tool // Isis

VÖ: 07.03.2008

Wer Dear John Letter noch nicht kennt: Es handelt sich hierbei um eine Band aus dem beschaulichen Augsburg, die sich mit ihrem ersten Album vorgenommen haben, auch jenseits der bayerischen beziehungsweise schwäbischen (man muss da sehr vorsichtig sein mit der Zuordnung) Landesgrenzen hinweg bekannt zu werden. Braucht man dazu heutzutage ein Plattenlabel? Nicht unbedingt, wie diverse Myspace-Phänomene in den letzten Jahren zeigten. Dear John Letter veröffentlichen also auf eigene Faust und geben sich dabei so viel Mühe mit der Ausgestaltung ihres Werkes, dass allein die Aufmachung ein Grund wäre, sich dieses aus schwarz vernähter Pappe und allerlei Gimmicks bestehende Album in den Schrank zu stellen.

Musik machen die fünf allerdings auch. Referenzen hat die Band so einige, angefangen bei Cult Of Luna über Tool zu Aereogramme, sowie diversen Postrock-Bands. Vor kurzem war auf einem Flyer mal zu lesen: „Postrock is the new indie“. Sprich, was derzeit alles als lauer Aufguss oder Klon bekannter Bands in diesem Genre auftaucht, ist schon nicht mehr zählbar. Dear John Letter gehen diesen Weg glücklicherweise nicht, wirken ziemlich eigenständig, was vor allem an der markanten Stimme des Sängers Martin Fischer liegt, der hier auf das genretypische Growlen verzichtet und stattdessen „clean“ singt und ab und an auch mal schreit, allerdings ohne dass es großartig in den Gehörgängen schmerzen würde.

Sechs Stücke befinden sich auf Between Leaves / Forestal, allesamt mit Doppeltitel, um Platz für Interpretationen der Musik und der Texte zu lassen. Das erste davon, Towers / Trees nimmt dann auch gleich knappe elf Minuten ein, beginnt mit einer klaren Gitarrenlinie, leichtem Schlagzeug und mündet dann in einem ersten leichten Ausbruch. In einem abwechslungsreichen Tempo geht es weiter, dabei sind sowohl Gitarrenläufe als auch die anderen Instrumente sehr klar und harmonisch produziert. Dieses erste und alle weiteren Stücke sind dadurch trotz ihrer teilweise beachtlichen Länge sehr eingängig.

Leichte Kost ist das Album dadurch noch lange nicht, die vielschichtigen Arrangements laden zum mehrmaligen Hören und Entdecken ein. So auch das nahezu komplett instrumentale „Aventiure / Pearly Gates“, welches mit Klavier und leichter Geräuschuntermalung beginnt, sich dann immer weiter aufbaut und schließlich in einem kurzen, lauten, ziemlich schlagzeugdominanten Part endet. Der nahtlose Übergang zu „Clearing / Leaving“ kündigt einen relativ unruhigen Song an, dessen härtere Stellen die lautesten auf dem Werk sind. Dies verhindert bei jenen ein Abdriften in passives Hören, die es sich an den ruhigen Stellen des Albums zu gemütlich machen wollten. „Annual Ring / Enclosure“ beendet in mittlerweile gewohnter Art und Weise diese Platte, welche beweist, dass man auch in Deutschland sehr gute eigenständige Musik schreiben und aufnehmen kann. Jetzt müssten das nur noch ein paar mehr Menschen wissen.

Klaus Porst

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