Rezension

Deafheaven

Ordinary Corrupt Human Love


Highlights: Honeycomb // Canary Yellow // Worthless Animal
Genre: Blackgaze
Sounds Like: Wolves In The Throne Room // Wiegedood // Mogwai

VÖ: 13.07.2018

Anderthalb Minuten lang könnte „Ordinary Corrupt Human Love“ der Soundtrack eines französischen Indiefilms sein: Ein Blackgaze-Album mit einer Klaviermelodie im Dreivierteltakt zu beginnen, das mag vor der vierten Deafheaven-Platte noch niemand probiert haben – dass es trotzdem funktioniert, verdeutlicht nur die Sonderstellung, die sich das Quintett aus San Francisco in diesem Genre mittlerweile erspielt hat.

Dass „Sunbather“ 2013 zu einem den Metal transzendieren Phänomen wurde, lag vorrangig an einem: Dass Deafheaven nicht nur die eisige Kälte des Black Metal durch eine wohlige, wunderschöne Wärme ersetzten, sondern ganz allgemein Genre-Mauern untergruben (und vorher noch im Rosa-Orange des Albumcovers anpinselten). Nach dem soliden, aber weniger bahnbrechenden „New Bermuda“ experimentiert „Ordinary Corrupt Human Love“ weiter: Classic-Rock-Riffs in „Honeycomb“. Chöre in „Canary Yellow“. Und was soll man sagen – alles funktioniert.

Da kann es sich die Scheibe dann auch leisten, nach den ersten drei Songs einen Gang zurückzuschalten, mit „Near“ einen fast schon konventionellen Post-Rock-Song folgen zu lassen und mit der sphärisch-zerbrechlichen Ballade „Night People“ einfach mal einen Song zu liefern, zu dem man wahlweise heiraten oder sich beerdigen lassen könnte. Da haben es Deafheaven eigentlich gar nicht mehr nötig, auf dem abschließenden „Worthless Animal“ verschiedenste Stärken des Albums noch einmal zu vereinen: klugen, behutsamen Song-Aufbau, krächzende Vocals aus der Hölle und vor allem Gitarrenriffs, die für das Jahr 2018 an sich viel zu cheesy sein sollten. Dass sie es dennoch tun, verdeutlicht nicht nur erneut oben erwähnte Ausnahmestellung – es macht „Ordinary Corrupt Human Love“ auch zu einem der intensivsten, kraftvollsten, originellsten, schönsten und bösesten Anwärter auf die Bestenlisten dieses Jahres.

Jan Martens

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Video zu "Honeycomb"
Video zu "Canary Yellow"

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