Rezension

Danielle de Picciotto & Alexander Hacke

Hitman's Heel


Highlights: The Hitmans Heel // Even Further // Rise And Converge
Genre: Cabaret // Blues // Rock
Sounds Like: The Desden Dolls // Edwyn Collins // 16 Horsepower // The Doors

VÖ: 18.02.2011

“Good evening ladies and gentleman, welcome to the outlaw circuit (...) we are here to entertain you and go mad (...) show you the freaks and the geeks”. Willkommen im großen Zirkus von Alexander Hacke und Danielle de Picciotto. Der Leierkasten spielt, der Ansager Hacke lockt. Ja, immer nur näher, kommen Sie herein, liebe Gäste – „we have magic tricks“. Der Jahrmarkt musikalischer Eigenheiten hat geöffnet. Erst einmal Entspannung: „Hickory Dickory Dock“ – de Picciotto zeigt ihre verführerische Seite und ist so schwulstig seicht, dass der Song der perfekte Soundtrack für einen 70er-Jahre-Erotikstreifen wäre. Wenig später gibt Hacke in „Time Is Passin‘“ den Collins (Edwyn).

Einen Rundgang durch das Kuriositätenkabinett bieten Hacke und Picciotto auf ihrem Album. Irgendwo orgelt oder klimpert es immer, oder man steht längst vergangenen Musikstilen gegenüber. Die Aufteilung ist klar: Hacke gibt den röhrenden, kratzigen alten Mann, wenn de Picciotto überhaupt einmal singt, ist das eher ruhig und bedacht wie in dem Harfenduett „Ballad Of The Lonely Fish“.

Zur Abwechslung tragen auf der einen Seite Zirkus- und Cabaretnummern wie „We Love Flowers“ oder „War“ bei. Die andere Seite dominiert gut hervorgeholter und clever eingespielter 60er- und 70er-Rock wie das großartige Titelstück: Ein Song der Sorte, die begründet, warum man heute noch die Doors, Jimi Hendrix oder Rolling Stones hört. Oder nun eben Hitman's Heel. Dazu Stücke wie das instrumentale „Even Further“, das acht Minuten düsteren Country der Marke 16 Horsepower beinhaltet oder das infernalische „Rise And Converge“. Man sieht das Klavier, welches den Song treibt quasi brennen, wenn man dieses Stück hört.

Nach etwas mehr als einer Stunde entlassen uns die beiden wieder aus ihrem Zirkus. Sie sollten Recht behalten – Hitmans Heel ist eine Reise zu den Merkwürdigkeiten des Tons, sowie wunderbare Unterhaltung. Wer sich einmal musikalisch den Zaubershows längst vergangener Zeiten stellen möchte, möge bitte hier eintreten – und am besten seinen Verstand am Eingang abgeben.

Klaus Porst

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