Rezension

Converge

All We Love We Leave Behind


Highlights: Coral Blue // All We Love We Leave Behind
Genre: Hardcore
Sounds Like: Dillinger Escape Plan // Mastodon // These Arms Are Snakes

VÖ: 05.10.2012

Um über zwanzig Jahre seine Wut zu Musik zu verarbeiten, gehört schon einiges dazu. Zwar gibt es genug Metal-/Hardcore-/Punkbands, die schon seit Jahrzehnten existieren, die wenigsten jedoch schaffen es, auch nach einer solchen Zeit noch „jung“ zu klingen. Eine der Bands, die es schafft, ist Converge. Kaum nimmt man den Musikern beim Hören des neuesten Werkes „All We Love We Leave Behind“ ab, dass dieses von einer Band stammt, die schon seit 1990 zusammen Musik macht. Seit zig Jahren schon, insbesondere durch die Alben „You Fail Me“, „Jane Doe“ und „No Heroes“, haben die Amerikaner Kultstatus. Nach drei Jahren Wartezeit erscheint nun „All We Love We Leave Behind“ und reiht sich nahtlos in die hochklassige Diskografie ein.

Natürlich ist die Band nach wie vor alles andere als jedermanns Sache. Scheinbar chaotischer Lärm trifft auf geshouteten Gesang, der einem in ganzer Albumlänge die Gehörgänge malträtiert. Schwer ist es anfangs, in dieser Melange Melodien oder Strukturen zu erkennen. Nach einiger Zeit jedoch wird klar: Hier wird nicht nur drauflosgeprügelt, alles, was noch so chaotisch scheint, hat absichtlich seinen Platz – es sind nur unglaublich viele Dinge, die gleichzeitig passieren. Fast verwirrend scheint es da, wenn „Sadness Comes Home“ oder „Coral Blue“ auf einmal in Heavy-Südstaaten-Blues-Doom abdriften oder „Vicious Muse“ in der üblichen Einfachheit eines Punktitel beginnt.

Für Fans ist „All We Love We Leave Behind” ein weiteres Album einer großartigen, richtungsweisenden Band des Hardcore/Punk-Genres, das ohne Abstriche seinen Platz im Gesamtwerk finden wird. Wer Converge bislang noch nicht kannte, wird sich hingegen zunächst schwer tun, denn wie jede bisherige Veröffentlichung ist auch dieses Werk zunächst ein unverdaulicher, lauter, schwerer Brocken, der vielen unbekömmlich scheint. Wer allerdings nicht sofort davonrennt und genervt aufgibt, dem offenbart sich nach einigen Durchgängen ein technisch eindrucksvolles Album.

Klaus Porst

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