Rezension

Connan Mockasin

Jassbusters


Highlights: Charlotte's Thong // Con Conn Was Impatient // Les Be Honest
Genre: Soft-Rock // Psychedelic Rock // R'n'B
Sounds Like: Mac DeMarco // Ariel Pink

VÖ: 26.10.2018

„Jassbusters“ ist ein Band-Album. Während „Forever Dolphin Love“ durch seine virtuose Verspieltheit und „Caramel“ durch seinen cremigen, ausdifferenzierten Sound glänzte, kommt das neueste Werk des Neuseeländers Connan Mockasin deutlich reduzierter daher, stellt die Gruppe in den Vordergrund.

„Charlotte’s Thong“ beginnt mit einem nicht enden wollenden Gitarrenriff, das an einen verstrahlten Jam einer 70er-Jahre-Rock-Band erinnert. Connan singt, zieht sich zurück und gewährt seiner Band Raum, um schließlich irgendwann wieder aufzutauchen. Zu diesem Zeitpunkt ist bereits jegliches Gefühl für Zeit und Raum gewichen und man gibt sich wie in Trance der wunderbar zusammenspielenden Band hin, die im Gegensatz zu früheren Aufnahmen aktiv am Entstehungsprozess der Songs beteiligt war.

Es ist daher bezeichnend, dass eine Kollaboration mit einem illustren Namen wie James Blake („Momo’s“) nicht zu den musikalischen Höhepunkten zählt. Weil Blake sich nicht einordnet in das Gesamtgefüge, sondern dem Song seinen markanten Stempel aufdrückt. Mockasin hingegen nimmt sich in ungewohnter Manier zurück und setzt seinen Gesang in neuen Variationen ein, seinen charakteristischen, entrückt-seltsamen Croon teilweise ablegend und in „Sexy Man“ oder „Les Be Honest“ um eine Oktave verschoben mit klarem Engelsstimmchen zu singen. In seiner Reduziertheit nach wie vor unbeschreiblich schön glänzen außerdem Mockasins und Rory McCarthys Gitarren, die sich selber so gut gefallen, dass sie auf „Jassbusters“ überwiegend in repetitive Muster verfallen. Kongenial begleitet werden sie von der Rhythmusfraktion Nicholas Harsant (Bass) und Matthew Eccles (Drums).

„Jassbusters“ erschien quasi als Soundtrack. Denn Connan Mockasin drehte mit „Bostyn ’n Dobsyn“ einen Kurzfilm, der es in Zeiten von #metoo in sich hat. In ihm verguckt sich ein Musiklehrer in eine seiner Schülerinnen. Wer Mockasin kennt, kann sich vorstellen, dass der Film skurril komisch ist. Denn Connan höchstpersönlich spielt den lüsternen Lehrer, der sich am Ende des Streifens neben die überforderte Schülerin auf ein enges Ledersofa zwängt und eine Videokassette seiner (Lehrer-)Band „Jassbusters“ auflegt. Au weia! Das gleichnamige Album funktioniert aber auch ohne derartige Vorkenntnisse und ist einfach großartig geworden.

Jonatan Biskamp

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Video zu "Charlotte's Thong"
Live-Video zu "Con Conn Was Impatient" mit Filmausschnitten aus "Bostyn 'N Dobsyn"

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