Rezension

Clipping.

Splendor & Misery


Highlights: Air' Em Out // A Better Place
Genre: Spoken Word // Hip Hop
Sounds Like: Death Grips // Shabazz Palaces // Flying Lotus

VÖ: 09.09.2016

Ist das Kunst oder kann das weg? Das muss man sich beim zweiten Album von Clipping. unweigerlich fragen. Natürlich hat das Trio aus L.A. schon vorher nicht unbedingt das gemacht, was man als konventionellen Hip Hop bezeichnen könnte. Mit „Splendor & Misery“ schießen sie aber endgültig den Vogel ab. Ein futuristisches Konzeptalbum, das eher durch Worte und Geräusche denn durch wirkliche Musik auf sich aufmerksam macht. Man könnte fast Hörbuch dazu sagen.

Die zugrunde liegende Story ist sogar spannend: Im totenstillen Weltraum fliegt ein Raumschiff, deren Besatzung einige Sklaven gefangen hält. Sklave Nummer 2331 plant einen Aufstand, bei dem schließlich alle Insassen bis auf ihn sterben. Fortan reist er vollkommen allein durch das unendliche Schwarz. Die künstliche Intelligenz des Raumschiffs verliebt sich in ihn, doch Sklave 2331 ist unfähig, diese Liebe zu erwidern. Er kämpft nun zwar nicht mehr gegen seine ehemaligen Herrscher, die Einsamkeit ist aber ein weitaus mächtigerer Gegner...

Während MC Daveed Diggs dies alles mit unheimlich geschmeidigem Flow in Spoken Word Manier erzählt, untermalen Clipping. das Geschehen mit allerhand Störgeräuschen, Raumschiffsignalen, wirrem Flickern und Flackern elektronischer Einheiten und ab und an tatsächlich auch dumpfen Beats, wenn Maschinen in der Erzählung das Ruder übernehmen. Keine Frage, an Authentizität mangelt es „Splendor & Misery“ sicherlich nicht. Das Schicksal von Sklave 2331 ist verdammt gut vertont.

Von „True Believer“, „Air’ Em Out“ und „A Better Place“ abgesehen gibt es allerdings eben auch keine wirklichen Songs zu entdecken. Der Rest setzt sich aus Versatzstücken zusammen, die einzig dem Fortlauf der Geschichte dienen. Dementsprechend besteht auch wenig Grund, sich das Ganze häufiger anzuhören, weil es musikalisch einfach letztendlich auch zu unspannend ist. Und wer hört sich schon ein Hörbuch dutzende Male an?

Benjamin Köhler

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