Rezension

Circa Waves

Sad Happy


Highlights: Jacqueline // Wasted On You // Battered & Bruised
Genre: Indierock
Sounds Like: The Wombats // The Strokes // Two Door Cinema Club

VÖ: 13.03.2020

“Sad Happy” ist das vierte Album der Liverpooler Band Circa Waves und erscheint nur ein Jahr nach “What’s It Like Over There?”. Das Doppelalbum folgt dabei dem Konzept, die beiden namensgebenden Gemütszustände zu trennen, wodurch sich auf der ersten Hälfte (“Happy”) die tanzbaren Songs und potenziellen Singles tummeln, während die nachdenklicheren Titel auf “Sad” ihren Platz finden.

Stiltechnisch ist “Sad Happy” kein Quantensprung für die Band. Indierock, der kurz nach der Jahrtausendwende entstanden sein könnte, driftet sporadisch in poppigere Gefilde ab und wird pointiert mit Synthies erweitert. Auf diesem viel beackerten Feld kommt es zwangläufig zu zahlreichen Vergleichen mit vielen Songs, die die Mittdreißiger von heute in jungen Jahren geprägt haben. Ob es da besonders geschickt ist, im Opener eine “Jacqueline” zu besingen? Glücklicherweise hat der Song keinerlei Ähnlichkeit mit Franz Ferdinands großem Hit. “Wasted On You” besticht durch wuchtige Basslinien, während das getragene und minimalistische “The Things We Knew Last Night” einen geschickten Kontrapunkt bildet, bevor “Call Me By Your Name” ein enormes Hitpotenzial an den Tag legt und danach lechzt, auf einer großen Festivalbühne gespielt zu werden. Mit dem titelgebenden “Sad Happy” wird der melancholische und bittersüße zweite Teil eingeläutet, welcher, falls ihr euch noch auf die Straße traut, einen wunderbaren Soundtrack für einen Spaziergang durch die von der Coronapandemie leergefegten Straßen bietet. Dabei steigt die Synthie- und Keyboard-Quote deutlich an, während Gitarren nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

Konzeptalben sind inzwischen leider eine Seltenheit geworden. Die Aufteilung in die beiden Hälften ist zwar kein besonders großes Experiment, aber sie funktioniert. Die Songs hätten möglicherweise eine ähnliche Wirkung erzielt, wenn sie durcheinander gemischt wären, dennoch ist es interessant, dass die “Happy”-Songs direkt gut ins Ohr gehen, während sich das Niveau von “Sad” erst mit mehreren Durchläufen offenbart. Ob das aber jemandem auffällt, der das Album streamt und der nichts von den beiden Hälften weiß? So oder so ist es erstaunlich, dass die Band um Kieran Shudall in der kurzen Zeit erneut ein gutes Album ohne Ausfälle kreiert hat.

Marcel Eike

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Circa Waves - Jacqueline

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