Rezension

Circa Survive

Blue Sky Noise


Highlights: Get Out // Glass Arrows // Fever Dreams
Genre: Indie // Emo
Sounds Like: The Sound Of Animals Fighting // Portugal. The Man // Minus The Bear // Brand New

VÖ: 28.05.2010

Für Circa Survive zeigt der Pfeil ganz eindeutig nach oben. Nachdem die beiden Alben „Juturna“ und „On Letting Go“ vor allen Dingen hierzulande eher wenig Aufmerksamkeit bekamen, kommt die Band aus Pennsylvania nun mit ihrem Major-Debüt daher, bereit, kräftig durchzustarten. In den USA ist das mit einem Chartseinstieg auf Platz 11 schon eindrucksvoll gelungen und dass „Blue Sky Noise“ hier „nur“ mit zweimonatiger Verspätung veröffentlicht wird (zuvor waren es mindestens sechs Monate), ist dahingehend als Zeichen zu werten, dass man es auch auf dem europäischen Kontinent wissen will.

Da stellen sich natürlich zu allererst Kenner der Band berechtigterweise die Frage, ob diese Chartsoffensive nicht zu Lasten der Musik von Circa Survive geht. Man liebte die Band ja hauptsächlich aufgrund der Tatsache, dass sie sich immer konsequent dem Mainstream verweigert hatte – und das, obwohl ähnliche Ansätze wie bei Fall Out Boy oder My Chemical Romance zwar immer vorhanden waren, aber deren glattgebügelter Sound durch komplexe Songstrukturen und nicht zuletzt aufgrund von Sänger Anthony Greens gewöhnungsbedürftiger Stimme immer vermieden wurde.

Die Bedenken können größtenteils beiseite gewischt werden, denn Circa Survive schaffen auf „Blue Sky Noise“ den Spagat zwischen „sich-treu-bleiben“ und Annäherung an den größeren Musikmarkt. Einige Songs wie beispielsweise „The Longest Mile“ oder „Frozen Creek“ zeigen zwar klar eingängigere Strukturen, aber selbst diese sind immer noch weit von Indie-Rocksongs für das gängige Radioformat entfernt. Stattdessen kann man auch auf dem dritten Album wieder hauptsächlich die Songs finden, die man schon an den beiden Vorgängern zu schätzen wusste: von Anthony Greens Gesang getragene Stücke, die komplex arrangiert sind und sich erst nach vielfachem Hören als wahre Perlen entpuppen. So wie Mathematikaufgaben, deren Lösung dann ein großes Gefühl von Befriedigung auslöst.

Vor einem ähnlichen Rätsel steht man auch wieder bei der Beantwortung der Frage, welche Musik Circa Survive da eigentlich spielen. Ist das Indierock, ist das Emo, ist das Postcore? Schlauer wird man diesbezüglich auch nach „Blue Sky Noise“ nicht, aber vielleicht ist das auch gerade das Geheimnis der Band: den Hörer immer zu fordern und dadurch bei der Stange zu halten. Schön, dass das heutzutage manchmal sogar bei wachsendem Erfolg noch klappen kann.

Benjamin Köhler

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