Rezension

Chris Cohen

Chris Cohen


Highlights: Edit Out // Green Eyes // Sweet William
Genre: Indie // Lo-Fi
Sounds Like: The Shins // Nick Drake // The Velvet Underground

VÖ: 29.03.2019

Chris Cohens drittes Werk ist schlicht selbstbetitelt. Der kalifornische Musiker, der bei Deerhoof groß wurde, mit Ariel Pink und Cass McCoombs spielte und seit 2012 auch solo unterwegs ist, scheint ganz bei sich angekommen zu sein.

Denn Cohens Sound ist einzigartig. Natürlich klingt die Musik nach irgendetwas, das man schon einmal gehört hat. Irgendwelchen Singer-Songwritern aus den 70er-Jahren zum Beispiel oder ein bisschen nach Velvet Underground. Vielleicht möchte man ihn auch mit Nick Drake assoziieren. Doch die Art und Weise, wie Cohen, der fast alles selber einspielt, einen sehr introvertierten, aber eben dennoch vielseitigen Sound erzeugt, ist dann doch nicht so gewöhnlich. Es reicht, sich einmal den Opener anzuhören. „Song They Play“ startet mit Tremolo-Gitarre, dezentem Orgel-Einsatz, schlichter Snare-Drum und Cohens ganz eigenem, zurückhaltenden Gesang. Wer hier nicht sofort aufspringt, wird dies wahrscheinlich auch in den folgenden neun Stücken nicht mehr tun. Für den Rest stehen die Chancen jedoch gut, bei diesem Wärme ausstrahlenden Ohrenschmaus dahinzuschmelzen und Zeit und Raum zu vergessen.

Textlich mag man hier und da Anspielungen an die persönlichen Umstände des Entstehungsprozesses der Platte erkennen, denn Cohens Vater bekannte sich nach 53 Jahren Ehe zu seiner Homosexualität und es folgte die Scheidung der Eltern. Dennoch ist der musikalische Grundton stets positiv und leicht im Klangbild. Es überrascht daher nicht, dass Cohen selbst das Coming Out seines Vaters eher als Erleichterung empfand. Ganz groß sind die Single „Edit Out“, hier mit einem tollen Gastauftritt von Kasey Knudsen am Saxophon und Jay Israelson am Piano, und der Gitarrensong „Green Eyes“. Auch im anschließenden „Sweet William“ spielt Cohen seine Gitarre mit großer Sicherheit und legt gar zwei dezente Soli hin. Doch eigentlich fällt es schwer, einzelne Stücke hervorzuheben, denn „Chris Cohen“ erlebt man am besten im Fluss und am Stück.

Jonatan Biskamp

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