Rezension

Chelsea Wolfe

Pain Is Beauty


Highlights: Sick // The Waves Have Come
Genre: Gothic Rock // Pathos-Pop // Electronic
Sounds Like: Zola Jesus // Austra // Lana Del Ray

VÖ: 13.09.2013

Meine Güte, Mädchen! Die Musikkarriere der amerikanischen Singer-Songwriterin Chelsea Wolfe nimmt eine neue Wendung, die sich in vielerlei Hinsicht vom markanten Drone-Metal-Art-Folk unterscheidet, den man beispielsweise noch auf dem Debüt „The Grime And The Glow“ vernahm. Unvergessen ist Wolfes Cover-Version von „Black Spell Of Destruction” der Black-Metal-Band Burzum und auch Support-Slots für Bands wie Boris, Sunn O))) oder Swans zeigen, das die Dame einen Hang zum Extremen hat. Muss man sich Sorgen machen bei einem Albumtitel wie „Pain Is Beauty“?

Die Antwort lautet wohl eher nein. Ihr neuestes Werk ist weniger eine besonders emotionale Auseinandersetzung mit eigenem Leid oder masochistischen Phantasien, sondern das Album versucht einen realistischeren Blick auf vielfach romantisch verklärte Dinge der Welt zu werfen, an deren Ende die Erkenntnis steht, dass viele Hürden genommen werden müssen, um Glück welcher Art auch immer zu finden. „Pain Becomes Beauty“ wäre nicht nur ihrer Ansicht nach ein mindestens ebenso treffender Albumtitel gewesen.

Sicherlich bleiben die Orte, an denen Wolfe ihre Songs vorzugsweise präsentieren würde, Kathedralen, Luftschutzbunker oder miefige Kellergewölbe. Auch ihre musikalischen Wurzeln in skandinavischer Folkmusik und Doom- bzw. Blackmetal sind unterschwellig zu vernehmen, doch lässt sie neuerdings den in erster Linie gitarren-getriebenen Klang ihres früheren Schaffens zugunsten elektronischer Einflüsse hinter sich. Ebenso tönt es inzwischen weitaus pop-affiner, Wolfe übernimmt quasi die Rolle der „schwarzen Madonna“, gibt sich divenhaft und mit dem Hang zum großen Pathos und zur großen Geste. Sie kann das auch! „The Waves Have Come“ ist trotz seiner acht Minuten die perfekt arrangierte Ballade, das Klavier und die Streicher so emotional echt wie auch die Worte, die uns eine warmherzige Stimme mit auf den Weg gibt. Chlelsea Wolfe ist die eindeutig seriösere Lana Del Rey.

Andererseits kann sie es auch wieder nicht: Zu stumpf und umgestüm verkommt der Pathos vieler Songs zu etwas abartig Kitschigem, zu einem austauschbaren Selbstzweck, die elektronischen Elemente rauben den Songs teils vieles vom Glanz und wirken ein bisschen wie billige Plastik-Armaturen. Wolfe ist dann mehr Drama-Queen als eine wahre Diva mit zu dick aufgetragenem Lippenstift. Man wünscht sich, sie hätte sich weit öfter aufs Minimalistische eingelassen. „Pain Is Beauty“ ist beides: Das Beste und qualitativ Hochwertigste, was wir je von Chelsea Wolfe zu hören bekommen haben, und zugleich das Enttäuschendste. Wie war das nochmal mit dem Hürdennehmen, um das wahre Glück zu finden...?

Achim Schlachter

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