Rezension

Chelsea Light Moving

Chelsea Light Moving


Highlights: Alighted // Empires Of Time // Burroughs
Genre: Noiserock // Indierock
Sounds Like: Sonic Youth // Dinosaur Jr // Pavement

VÖ: 01.03.2013

Wie muss es sich anfühlen, Mitglied einer Band zu sein, die eigentlich im allgemeinen Sprachgebrauch fast nur als „Thurston Moores neue Band“ bezeichnet wird? Möglicherweise ziemlich gut, wenn man zugleich auch Thurston Moore selber ist – ansonsten muss man sich wohl denken, hier von vornherein mit ganz genauen musikalischen Vorerwartungen und Ansprüchen betrachtet zu werden.

Naja, nur gut, dass der geneigte, möglicherweise etwas in den 90ern hängengebliebene Sonic-Youth-Fan mit Chelsea Light Moving vielleicht nicht genau das bekommt, was er erwartet – auch einem Mittfuffziger wie Moore darf man schließlich so etwas wie Wille zur Änderung gönnen – aber zumindest das, was er innerlich wahrscheinlich sowieso will: Diese von Sonic Youth perfektionierte Mixtur aus fies-eingängigen Melodien und Gitarrenwänden, die teils nur knapp von der Grenze zum reinen Lärm entfernt sind. Da reicht die Gitarrenmelodie des sehr auf den Punkt gebrachten „Burroughs“ schon aus, um so manche Brooklyner Rotzlöffelband in den Staub zu zwingen. Wenn dann „Alighted“ seine siebeneinhalb Minuten Noiserock wohl nur deshalb hin und wieder herunterdrosselt, um der Band nicht zu viele Klagen wegen verursachter Hörschäden einzubringen, fragt man sich, ob die Besucher all der Hochzeitsparties, die Chelsea Light Moving nach eigener Aussage crashen wollen, überhaupt diesen einen Song überstehen würden.

Das einzige wirkliche Problem an diesem Debütalbum: Nachdem man einige Songs gehört hat, die so ein Schema nah an die Perfektion bringen, ist es eigentlich eher reizlos, sich mit noch mehr Artgenossen zu beschäftigen – dass der sanfte Songaufbau und die Lautstärke in Reinversion dann gen Albumende immerhin auf zwei Songs aufgesplittet werden („Mohawk“ und „Communist Eyes“), kann da wohl als nette Geste gesehen werden. Alleine Songs wie „Lip“ oder „Empires Of Time“ jedoch könnten heutzutage wohl nicht mehr allzu viele Bands ohne die Beteiligung Thurston Moores schreiben. Insofern können die restlichen Mitglieder von Chelsea Light Moving immerhin stolz darauf sein, daran mitgewirkt zu haben – Sonic-Youth-Ersatzdroge hin oder her.

Jan Martens

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