Rezension

Caspian

Dust & Disquiet


Highlights: Arcs Of Command // Dust And Disquet
Genre: Postrock
Sounds Like: This Will Destroy You // Mono // Explosions In The Sky

VÖ: 25.09.2015

Es sind gute Zeiten für alle Postrock-Liebhaber. Godspeed You! Black Emperor machen immer noch zusammen Musik, Mono liefern nach wie vor, das neue Album von Mogwai steht in den Startlöchern und Explosions In The Sky werden 2016 endlich mit einer neuen Platte zurück sein. Und außerdem gibt es da auch noch Caspian. Bisher eher in der zweiten Reihe hinter den namhaften Genregrößen stehend, konnten sie sich zuletzt mit ihrem wunderbaren Album „Waking Season“ so ein wenig freischwimmen. Klar, dass das Sextett aus Massachusetts da mit „Dust And Disquiet“ an den Erfolg des Vorgängers anschließen will.

Der vierte Streich der Band führt die Entwicklung von Caspian dabei konsequent fort. Das Songwriting und die Arrangements sind noch anspruchsvoller, noch ausgefeilter geworden. Dazu gehören Tracks mit Vocal-Parts nach einigen zaghaften Versuchen in der Vergangenheit jetzt wie selbstverständlich zum Repertoire. Schließlich sorgen auch mehr stimmungsvolle Interludes dafür, dass das Album eher wie eine Einheit klingt und nicht wie die Aneinanderreihung von Songs, die keinen Bezug zueinander haben.

So weit, so gut, aber dennoch hat „Dust And Disquiet“ ein Riesenproblem. Zwei Stücke stechen so dermaßen deutlich heraus, dass der Rest des Album dagegen qualitativ doch ein ganzes Stück hinterher hinkt. Bei „Waking Season“ war das nicht der Fall. Auch dort gab es natürlich Highlights, aber insgesamt war das Niveau der Songs schön ausgeglichen.

Die Übeltäter sind „Arcs Of Command“ und der Titeltrack selbst. Ersterer ein absolutes Biest von einem Postrock-Song. Wer ungefähr wissen will, wie viele Gitarrenspuren und schwere Riffs man in einen Neunminüter packen kann, hat hier seine Blaupause. Und „Dust And Disquiet“ ist mit seinem doppelten Aufbau und der wunderschönen Melodie im zweiten Abschnitt einfach nur ein perfekter Closer, den man nicht besser machen kann. Es sind eben zwei Meisterleistungen, neben denen die anderen Songs etwas verblassen. Vollkommen farblos sind aber auch diese nicht, so dass Caspian weiterhin im Windschatten der Großen mitspielen.

Benjamin Köhler

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