Rezension

Car Seat Headrest

Teens Of Style


Highlights: Something Soon // No Passion // Strangers // Oh! Starving
Genre: Lo-Fi // Indie-Rock
Sounds Like: Guided By Voices // Alex G // Pavement

VÖ: 30.10.2015

Will Toledo scheint die Zeit davonzulaufen: Gerade mal 23 geworden, stehen auf seiner Bandcamp-Homepage bereits elf Homerecording-Veröffentlichungen seines Soloprojekts Car Seat Headrest. Kein Wunder, dass jemand mit einer solch wuchernden Kreativität abgekämpft und weltentrückt wirkt. Alleine deswegen, aber auch musikalisch liegen die Vergleiche mit Robert Pollard von Guided by Voices auf der Hand. Matador veröffentlicht nun sein professionell aufgenommenes Debüt „Teens Of Style“, welches eigentlich bloß eine neu aufgenommene Best Of seines bisherigen Schaffens darstellt. Der Mensch hat schließlich was vorzuzeigen.

Doch trotz Matador im Rücken ist Will Toledo nicht den Fehler eingegangen, seine Lieder glattzubügeln. Sicher, das ist alles weniger rau und ungestüm als auf den selbstproduzierten Demos, doch glücklicherweise verliert „Teens Of Style“ dadurch nichts an Intimität. Im Gegenteil, die zumindest etwas transparentere, aber immer noch tief in siffigen Proberäumen verankerte Aufnahme schafft Dynamik und lässt Highlights umso heller erstrahlen.

Gerade, weil Toledo bereits einen gewaltigen Output vorzuweisen hat, klingt „Teens Of Style“ teilweise wie der Versuch, sämtliche bisher erarbeiteten Ideen auf 46 Minuten zu bändigen. Natürlich, manchmal nimmt er eine Serpentine zu viel und opfert den eigentlichen Song einem weiteren Einfall. Doch das sind nur vereinzelte Ausreißer. Wenn Toledos Stimme in „Something Soon“ im zweiten Refrain ohne Instrumente im Raum schwebt, ist das an Dringlichkeit und Euphorie kaum zu überbieten. Und obwohl das Lied dann noch über zwei Minuten einen weiteren Höhepunkt erzwingen will, ist diese Anstrengung eigentlich unnötig. Alles wurde bereits nach zweieinhalb Minuten gesagt. Auch das zu Beginn schleppende „Strangers“ wandelt sich in eine entwaffnend offene Liebeserklärung an Michael Stipes Musik. Selbst mit einem stoisch herumklimpernden Klavier auf „Oh! Starving“ kommt er davon.

„Teens Of Style“ fühlt sich teilweise eher wie eine Sammlung von perfekten Teilen und nicht wie eine von perfekten Songs an. Doch diese Highlights sind so bombastisch und umwerfend, dass man über weniger gelungene Parts gnädig hinweghören soll. Bleibt nur zu hoffen, dass Toledo dem selbstauferlegten Druck standhält. Wenn ja, wird er eine große Zukunft haben.

Yves Weber

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