Rezension

Brutus

Nest


Highlights: Cemetery // War // Distance
Genre: Shoegaze // Hardcore // Black Metal
Sounds Like: White Lung // Birds In Row // Chelsea Wolfe

VÖ: 29.03.2019

T„rouble comes in threes. So does Brutus.“ – eine knappe und unheilvolle Selbstbeschreibung, die man auf den Social-Media-Accounts der Band finden kann. Und sie haben Recht: Zu dritt schaffen Brutus einen unnachgiebigen Sound, der einen nur schwer wieder loslässt. Irgendwo zwischen den Ufern von Hardcore, Shoegaze und Black Metal wird man von den Wellen eines Sturms hin- und hergeworfen und darf nur hier und da kurz aufatmen, um nicht das zarte Popgefühl zu verpassen.

Im Auge des Sturms sitzt Stefanie Mannaerts hinter ihrem Schlagzeug, treibt die Songs regelrecht vor sich her, lässt nicht nach, und singt dabei mal rauchig-sanft, mal sich in Schreien fast überschlagend. Gitarrist Stijn Vanhoegaerden und Bassist Peter Mulder ergänzen sie ausgezeichnet, nehmen sich Raum, wenn sie ihn brauchen, und spielen sich gekonnt durch verschiedenste Genres und Einflüsse. Aber wie schon beim überzeugenden Debütalbum „Burst“ bauen die Lieder auch bei „Nest“ ganz grundlegend auf Mannaerts Gesang und Schlagzeugspiel auf.

Der erste Track „Fire“ beginnt leise und träumerisch, bevor er explodiert, und zeigt früh, dass hinter all der Aggression auch Verletzlichkeit und Schönheit stecken. Ein Einstieg wie eine Einladung – er lässt erahnen, was noch kommt. „Cemetery“ sticht durch eine von den Frustrationen zwischenmenschlicher Beziehungen getriebene Wut hervor („That girl, I could never trust her, she's a fucking wreck / We never were, we never will be best friends“), um dann in der zweiten Hälfte in eine getragenere, hoffnungsvollere Stimmung umzuschwenken. Klarer Höhepunkt von „Nest“ ist „War“, von der Band mit sicherer Hand ins Zentrum des Albums gesetzt, denn es umfasst Brutus‘ Stärken in allen Formen: Mannaerts beeindruckende stimmliche Bandbreite, feines, kraftvolles Gitarrenspiel, raumgreifende Melodien, effektvoll eingebaute Tempowechsel – Kompromisslosigkeit.

„Nest“ bleibt trotz der vielen darauf versammelten Elemente zugänglich, ist zugleich härter, aber auch melodischer als der Vorgänger. Brutus gehen keine ausgetretenen Pfade, sondern haben ihren eigenen Weg gefunden, den sie hiermit konsequent und selbstbewusst fortsetzen.

„Trouble comes in threes.“ Gute Vorzeichen für ein drittes Album.

Marc Grimmer

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