Rezension

Bruce Hornsby

Abolute Zero


Highlights: Absolute Zero // Take You There // Voyager One
Genre: Pop // Jazz // Rock // Experimentalpop // Poprock
Sounds Like: Bon Iver // Bruce Springsteen // Brandon Flowers // The War On Drugs // Marillion

VÖ: 12.04.2019

Vielen, wenn nicht den meisten dürfte der Name Bruce Hornsby nur durch seinen größten Hit “The Way It Is” aus dem Jahr 1986 bekannt sein. Grateful-Dead-Fans werden sich zudem noch erinnern, dass er Anfang der 1990er häufiger Konzerte mit ihnen spielte. Andererseits erwähnt aber auch Bon Ivers Justin Vernon seit Jahren, welch großer Einfluss Hornsby auf ihn gewesen sei.

So wundert es dann vielleicht auch nicht, dass Hornsbys 2019er Album “Absolute Zero” Vernon in zwei Liedern featuret. Aber auch jenseits dieses Ausdrucks gegenseitiger Wertschätzung zweier Musiker ist “Absolute Zero” ein bemerkenswertes Album. In der Tat mag es eines der schönsten und interessantesten Pop-Alben des Jahres 2019 sein. Das liegt nicht allein an Vernon oder allgemein an Hornsbys Kooperationspartnern, auch wenn das Kammermusik-Sextett yMusic tatsächlich ein prägender Teil hier ist.

Hornsby und Mitstreiter verbinden auf “Absolute Zero” scheinbar disparate stilistische Mittel zu einem harmonischen Ganzen. Einerseits sind da poppige Harmonien, wie sie sich nicht erst seit den 1980ern durch unser kollektives Gedächtnis ziehen. Zudem findet sich aber auch Experimentelles in Rhythmen und Arrangements, das mal an derartigen Jazz erinnert, wie er ebenfalls schon Jahrzehnte fasziniert, und dann wieder an die zeitgenössischen Experimental-Popper gemahnt. In dieser Vielfalt lässt die Platte nicht zuletzt tatsächlich an ein Bon-Iver-Album denken, ohne eines zu sein. Der größte Unterschied ist vielleicht, dass die Platte im Kern doch ein Pop- und Rock-Album ist, das unzweifelhaft in einer US-amerikanischen Tradition steht, die zu Hornsby selbst, The Grateful Dead oder auch Bruce Springsteen verweist. Zusammengehalten wird die stilistische Vielfalt durch Hornsbys Gesang als vereinigendem Element, das dem Album eine beeindruckende emotionale Tiefe verleiht.

Wenn ein Baby Boomer im Jahr 2019 ein Album veröffentlicht, das auch die Gen-X, Xennials, Millennials und Generation-Z-Nerds zu erreichen vermag, dann denkt man vermutlich eher an Springsteen oder Dylan denn an Bruce Hornsby. “Absolute Zero” ist aber ein Album, das unser aller Aufmerksamkeit verdient in seiner harmonischen wie seiner experimentellen Poppigkeit.

Oliver Bothe

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